Archive for the Category Leben

 
 

Gelassenheit

Fast stoisch sitzen dort im Dauerregen
zwei Ringeltaubenkinder auf dem Dach.
Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bewegen,
die Wasserdusche wohl kein Ungemach.

Dies’ sollte mir als gutes Beispiel dienen;
ich wünsche mir so viel Gelassenheit,
wenn Wetterkapriolen mir verminen
die Sommerwege meiner Urlaubszeit.

Doch will ich mich in Federn nicht verstecken,
auch wenn der Regen hier noch Wochen dauert,
werd’ ich mich mausern, Neues froh entdecken.
Es gibt viel Schönes, wo kein Wetter lauert.

Werd’ so Gelassenheit geduldig üben
und ignorieren, was den Tag könnt’ trüben.

© Ingrid Herta Drewing

Erdbezogen

Wir sind so klein und dünken uns so mächtig,
weil wir nur haben unsre Welt im Blick.
Wir können viel und bauen uns recht prächtig,
was uns behagt, erhoffen unser Glück.

Die Sterne, die wir in den Nächten sehen,
sie sind so weit von unsrem Tag entfernt,
dass uns die Weltraum-Dramen dort entgehen.
Wir haben auch noch hier nicht viel gelernt.

Statt diese Erde, die uns kurz geliehen,
zu hegen, pflegen wie ein Paradies,
zerstören vieles wir, und kein Bemühen
macht je lebendig eine Art, die uns verließ.

Der Weltraum und die großen Sterngebilde,
wo gnadenlos Materie, Energie
gestalten dieses weiten Alls Gefilde,
sie liegen fern dem Traum von Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing

Mohnblüte

Nur ein Blütentag!
Wind zerriss das zarte Kleid
des roten Mohnes
und trug die Sommersehnsucht
weit über Wiesen hinaus.

© Ingrid Herta Drewing

Erdenglück

Ein lieber Blick, ein Blütenbild,
der Vögel Zwitschern in den Bäumen,
ein Tag, der sonnig, frühlingsmild,
schenkt dir ein kleines Glück, lässt träumen.

Von einer Welt, die wirklich gut
das Leben schätzt und, ihm gewogen,
verlässt den Weg des Wahns, der Wut,
wo viele Menschen bös’ betrogen.

Gemeinsam hier ein Paradies
in Frieden sorgsam zu gestalten,
wo keiner hungern muss, das hieß’
auch achtsam mit Natur zu walten.

Damit die wunderschöne Erde
hier Lebensquelle weiter bleibe,
den Menschen stets zur Heimat werde,
aus der kein Unheil sie vertreibe.

© Ingrid Herta Drewing

Klärchens Traum

Ja, Klärchen liebte Märchen,
wollt’ gern Prinzessin sein
mit gold gelockten Härchen,
die mit dem Prinz als Pärchen
ins Zauberland zög’ ein.

Sie träumt’ von Himmelsschlössern
und Kleidung, seidenfein,
dass Schimmel, edle Rösser
mit Flügeln, vier, acht besser,
die Kutsche flögen ein.

Der Prinz ließ auf sich warten,
und Klärchen wurde alt.
Ihr Häuschen und ihr Garten
mit vielen Pflanzenarten
lag tief versteckt im Wald.

Die Kinder sich erzählten,
dies‘ sei ein Hexenhaus
und sie oft lärmend quälten,
auch Steingeschosse wählten,
bis Klärchen kam heraus.

Sie schwang dann bös’ den Besen;
die Bengel rannten fort.
Kein Märchen mocht’ mehr lesen
das Klärchen, bittres Wesen,
und Kummer hieß das Wort.

© Ingrid Herta Drewing

Erwartung

Mit unschuldsblauen Augen blickt der Tag
am Morgen dir ins blasse Angesicht.
Geheimnis ist, was er heut’ bringen mag,
ob es dir gar missfällt, ob ’s dir behagt,
magst du erahnen, doch du weißt es nicht.

Oft überrascht dich eine Kleinigkeit,
ein Schmetterling, der kurz bei dir zu Gast
auf dem Balkon, die Blüten wählt zur Rast
und dort verweilt in seiner Leichtigkeit,
bevor er weiter fliegt, ganz ohne Hast.

Vielleicht siehst du schon erste Schwalben schweben.
Als Sommers Boten kehren sie zurück
Ihr Anblick schenkt dir dieses kleine Glück,
verspricht dir Wärme, lichtes, leichtes Leben
im hellen Sonnenschein, der dich erquickt.

Gewiss darfst du viel Schönes nun erwarten.
Jetzt teilt ’s Natur in reicher Fülle aus.
Es wird zum Paradies der kleine Garten,
das Wachsen, Blühen durfte wieder starten,
und auch die Rosen ranken sich um ’s Haus.

© Ingrid Herta Drewing

Die Tanne

Hoch ragt sie auf, die Tanne vor dem Haus.
Es tanzt das grün’ Gefieder ihrer Zweige
im Winde leicht, als wolle sie sich zeigen
dem Frühlingskind im linden Blätterflaus.

Die Vögel nisten dort als liebe Gäste,
und mancher späht ins Land vom Wipfel aus;
die Vogeleltern tragen schon zu Neste
und bald schon fliegen Junge, flügge, aus.

Die Tanne, stetig grünend übers Jahr,
hält Wache vor dem Haus schon seit Jahrzehnten;
und ihre Rinde zeigt noch wunderbar
das Herz der Liebenden, die an ihr lehnten.

Ganz sicher wird sie dort noch lange stehen,
wenn längst hier andre Menschen wohnen, gehen.

© Ingrid Herta Drewing

Im Buchenwald

Ein Flüstern und ein Raunen hier im Wald!
Da zeigt sich Leben unter welkem Laub,
den Blättern, die der Herbstwind kühn geraubt;
von Frost und Schnee verwirkt ist die Gestalt.

Doch kleine Buchen regen sich im Keim
und stoßen durch das braune, welke Dach.
Des Keimes grünes Blatt verlässt das Heim,
die Ecker, wo es lang geschlummert hat.

Und überall drängt Grünes nun zum Licht,
bedeckt hier hoffnungsfroh die karge Erde,
als habe wer ihm zugeflüstert:“ Werde!“
mit einer Stimme voller Zuversicht.

Ich stehe andächtig, erschau die Spur
des Lebens, Wunder Gottes, die Natur.

© Ingrid Herta Drewing

Sonntagmorgen

Noch schläft am Morgen sanft die kleine Stadt.
Der Sonntag schenkt ihr eine Atempause.
Wo man geschäftig sonst gewerkelt hat,
dort ist wohltuend Stille jetzt zu Hause.

Zwar wecken bald die Vögel mit der Sonne
die ersten Schläfer aus dem Schlummer auf;
doch nur vereinzelt, kaum dem Schlaf entronnen,
taucht ab und zu ein Mensch im Gässchen auf.

Bis dann vom Turm die Kirchenglocken rufen
zum Gottesdienst, wohin die Grüppchen ziehen,
andächtig steigend hoch die Kirchenstufen,
seh’n sie im Osten hell die Sonn’ erglühen.

Und nun allmählich, mit des Lichtes Lauf,
wacht schließlich auch das ganze Städtchen auf.

© Ingrid Herta Drewing

Morgen

Hell stand die Morgensonne schon im Osten,
und Vögel stimmten an den Lobgesang,
der in der Bäume Wipfel lieblich klang,
der Amseln Zwiegespräch auf ihren Posten.

Es funkelte in abertausend Lichtern,
im Perlenglanz der Tau, ein Gruß der Nacht,
und auch der Blumen zarte Angesichter
nun blickten auf, vom Sonnenstrahl erwacht.

Als feiere Natur ihr Frühlingsfest,
da sie nun froh des Winters Macht entronnen,
sich, licht gewandet, dürfe tanzend sonnen
im Werden, Leben, das sie wachsen lässt.

Ein trautes Bild des ewig neuen Webens
im steten Kreislauf dieses Erdenlebens.

© Ingrid Herta Drewing