Archive for the Category Lebensfreude

 
 

Wiesbaden im Sommer

Es grüßt die Stadt im Sommerflair,
und zahlreich sind die Gäste
bei Wein- und Straßenfesten.
Touristen kommen von weit her,
erwarten nur das Beste.

Die Rue ist blumenreich geschmückt.
Hier mag man gern flanieren,
und abends beim Spazieren
Römische Brunnen sind im Blick,
beleuchtet, faszinieren.

Das Kurhaus strahlt, Theatrium
lädt ein mit Kunst und Klängen.
Besucher sich hier drängen;
Der Stimmung Wogen sind im Schwung
bei Tänzen und Gesängen.

Ist’s dir zu heiß? Das Opelbad,
hoch auf dem Berg gelegen,
schenkt Kühlung, Sommersegen.
Ein Panorama, ganz apart,
wird’s dir zu Füßen legen.

Erreichst es mit der Zahnradbahn,
erlaubt seit hundert Jahren
ein umweltfreundlich’ Fahren.
Des Wassers Schwerkraft zieht hinan,
um Energie zu sparen.

Am Marktplatz, jährlich im August,
goutiert man Rheingauweine,
auch Speisen gibt’s, recht feine.
Die Weinwoche, sie ist ein Muss
für Kenner guter Weine.

Gesellig feiern in die Nacht,
wird lieb gewohnte Sitte.
In froher Runde Mitte
und Freude stets hier neu erwacht,
beschwingt manch zarte Schritte.

© Ingrid Herta Drewing

Frühsommer

Frühsommer hat sich angeschickt,
hier strahlend Sonne zu kredenzen.
Wohin man in die Landschaft blickt,
lässt sich erschauen und beglückt
im Grün ein farbenfrohes Glänzen.

Da leuchten Feuer, roter Mohn
hell lodert in den Wiesenmeeren.
Als spreche er der Kargheit Hohn
zeigt er am Rain des Sommers Lohn,
darf ganz dem Immen-Volk gehören.

Und die Allee hier, welch ein Duft
strömt aus den Blüten dieser Linden!
Er liegt so lieblich in der Luft
und säumt der Straße graue Kluft;
ich darf ihn nasenselig finden.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Max, der Maikäfer

Es sitzt der Max auf einem Blatt
im hellen Maiensonnenschein;
noch nicht sehr viel erfahren hat
das kleine, junge Käferlein.

Drum fürchtet er den Vogel nicht,
der ihn da fasst an seinem Bein.
Erst in der Luft erkennt der Wicht:
Das könnte sehr gefährlich sein!

So fängt er plötzlich an zu strampeln
und flattert mit den Flügeln wild.
Dem Vogel sehr missfällt dies’ Hampeln,
er denkt sich: Der wird jetzt gekillt!.

Dort auf das Dach setzt er sich nieder
und ist bereit schon zum Verzehr,
öffnet den Schnabel, Max fliegt wieder
und ruft:“ Du kriegst mich nimmermehr!“

Er landet aber, welche Tücke,
ein Stockwerk tiefer auf dem Tisch.
Sein Pech, er fällt noch auf den Rücken
und liegt gestrandet wie ein Fisch.

Die Kinder, die den Max so sehen,
ihn bringen in ein großes Glas;
ein Buchenzweig darf noch drin stehen.
Maikäfer-Haus nennen sie das.

Der Max, der in Gefangenschaft
an diesem Tag zum zweiten Mal,
wird von vier Augen angegafft,
und er entflieht schnell dieser Qual.

Er kriecht tief unters Grüne, matt,
um sich behutsam zu verstecken.
Jedoch die Kinder lupfen ’s Blatt,
um ihn genau dort zu entdecken.

Sie zählen nach der Fühler Blättchen:
„ Ja sieben sind ’s er ist ein Mann!“,
sagt Klaus, und ernsthaft meint Annettchen:
„ Max soll er heißen, das kommt an!“

Und für den Zoo die Info-Tafel
entwerfen sie mit viel Geschick,
vermeiden süßliches Geschwafel,
ins Lexikon gewandt den Blick.

„ Ein Blatthornkäfer ist der Maxe,
frisst grüne Blätter gern im Mai.
Er riecht genau, wo Bäume wachsen;
Sensoren helfen ihm dabei.

Fast fünfzigtausend soll er haben“,
liest Klaus und meint:“ Toll Max, potz tausend,
die Käferfrau hat nur achttausend,
du bist ein echter Wunderknabe!“

Das sei, sagt Nettchen, ungerecht.
Doch Klaus meint für die Brautschau-Suche
sei’s auch für Mäxchens Frau nicht schlecht.
Er setzt ihn frei auf ’s Blatt der Buche.

Sie wollen ihm die Freiheit schenken,
vergessen schnell nun Glas und Zoo.
„ Flieg, Max, du darfst an Brautschau denken!“
Er schwirrt davon, und sie sind froh.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Mai-Versprechen

Von goldnem Sonnenlicht umflossen
dies Grünen in den Büschen,Bäumen!
Das Leben wächst, erklimmt die Sprossen
zu immer neuen Zauber-Träumen.

So mag ein Erdentag beginnen,
beschirmt von Himmels hellem Blau,
und ich erleb’ mit allen Sinnen
des Maien zarte Blütenschau.

Lass mich von Licht und Duft betören,
der frühen Vögel süßem Lied.
„Die Freude darf auch dir gehören“,
so flüstert’s zärtlich ins Gemüt.

© Ingrid Herta Drewing

Maimorgen

Der Tagesmond am Himmel thront.
Die Sonne strahlt, und lichtes Blau,
so wolkenlos, fast ungewohnt,
beschirmt hier hell nun Tal und Au.

Auf dem Balkon in frischer Luft
begieße ich in aller Frühe
die Rose, atme ihren Duft
und hoffe, dass sie knospe, blühe.

Ein Maien-Tag so frühlingsmild,
wie ich ihn mir herbei gesehnt,
schenkt morgens schon ein schönes Bild,
Lenz lächelnd bei den Rosen lehnt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Reisemüde

Du meinst, es sei Zeit, bald zu reisen,
da jetzt auch der Lenz sei erwacht.
Die Sehnsucht sing‘ Lieder, die leisen,
die wundervoll Wege dir weisen
in Träume von südlicher Nacht.

Doch nun, da die Schwalben einschweben,
es hell klingt in Garten und Wald,
will hier ich den Frühling erleben
und sehen sein blühendes Weben,
die Bäume in grüner Gestalt.

Denn mich lockt nun nicht mehr die Ferne,
ich ahne, das Gute liegt nah.
Ja, früher, da ließ ich mich gerne
verlocken und glaubte, die Sterne,
die sähe ich anderswo klar.

So reise denn wohl, ich verweile,
geborgen in Garten und Haus.
Mich drängen nicht Lust, noch die Eile,
dass ich viele Meilen da teile.
Hier lebe ich, harre gern aus!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Innehalten

Es spielt der Frühlingswind im Haar der Weiden
und kräuselt mild die Wellen auf dem See.
Die Schwäne, die hier majestätisch gleiten,
sie tauchen auf aus Märchen alter Zeiten
in sanftem Bild, so strahlend weiß wie Schnee.

Als stünde still die Zeit, mag mir erscheinen
der Augenblick, der Seele, Sinn betört,
lässt innig mich mit der Natur vereinen.
Erfülltes Glück, ich bin mit mir im Reinen,
und alles, was beschwert, bleibt ungehört!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Mein Wiesbaden II

Jahrtausende schon sprudeln deine Quellen,
„Aquis Mattiacis“, zur Römerzeit
bekannt die Thermen, sechsundzwanzig Stellen
halten noch heute Wasser heiß bereit.

Im Mittelalter warst du „wisibada“;
Bad in den Wiesen, vielleicht kleine Stadt.
Man darf vermuten, dass von fern und nah da,
wer konnte, kam und hier gebadet hat.

Mit Einwohnern, fünftausend, mein Wiesbaden,
warst Nassaus Hauptstadt im Großherzogtum.
Das Biebricher, das Stadtschloss seiner Gnaden
künden davon sowie der Landesdom.

„Weltkurstadt“ wurdest du genannt, Wiesbaden,
ab achtzehnhundertvierzig ward es laut.
Es fühlten sich viel Gäste eingeladen,
nachdem die Bahn nach Frankfurt war gebaut.

Nun ging’s bequemer, in der Welt zu reisen,
das Kuren in den Bädern war en vogue.
Die Gunst und Kunst wohl konntest du erweisen,
auch manchem Spieler, der sich selbst betrog.

Als man in Deutschland wilhelminisch wurde,
entdeckte Kaiser Wilhelm dich als Stadt,
ließ bauen hier, wo er ausgiebig kurte,
dir damals neuen Glanz verliehen hat.

Gesellschaftsmittelpunkt durftest du werden.
Was Rang und Namen hatte, fand sich ein.
Wo Goethe, Dostojewski einst verkehrten,
wollt‘ nahe man dem Kaiser nun gern sein.

„Nizza des Nordens“ wurdest du, Mondäne,
von Parks und Villen, Kunst, Kultur umkränzt.
Dein Wohlstand wuchs zu dieser Zeit, ich wähne,
auch für die „kleinen Leute“ hat’s geglänzt.

Dann nach zwei Kriegen war dies Bild verschwunden.
Doch blieb erhalten dir viel Bausubstanz
in Vierteln, Parkanlagen, die bekunden
im Stil des Historismus alten Glanz.

Du wurdest Landeshauptstadt hier von Hessen;
die Siegermacht neu teilte auf und ein.
Als Stammsitz der Besatzung, kann’s ermessen,
das „ Weiße Haus“ am Park lud dazu ein.

Du hast dich gut erholt, der Krieg liegt ferne.
Ich fühl‘ mich wohl, in dir, du grüne Stadt,
denn du bewahrst auch schön, obwohl moderne,
was uns Geschichte noch zu sagen hat.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Amsel-Lied

Dort an der Busse Haltestelle,
wo der Verkehr braust laut, der schnelle,
entzückte mich ein süßer Klang.
Ich hört‘ die Amsel jubilieren,
über den Lärm zu triumphieren,
mit ihrem wunderschönen Sang.

Vom Frühling gab die Amsel Kunde.
So hell vom Dach zur Abendstunde
drang lieblich ihre Melodie
als Freude mir in Sinn und Seele.
Ich fühlte, dass mir nun nichts fehle,
ein Augenblick voll Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing, 2016

Rosenblüte im Mai

Zart sind erblüht die ersten Rosen,
im Licht erwacht aus Traum und Nacht.
Ihr Duft ein lieblich feines Kosen!
Beglückt erlebe ich die Pracht.

Und täglich schenkt ein neu Erblühen,
das aus den Knospen-Blättern bricht,
sich sanft entfaltend ohne Mühen
ein schönes Blumen-Angesicht.

Ein jedes zeigt ein eignes Glänzen,
obwohl aus einem Stamm erbracht.
Des Lebens Vielfalt mag kredenzen,
was auch uns Menschen Freude macht.

© Ingrid Herta Drewing,2016