Ein Plattfisch traf ’nen Kugelfisch
und fragte sehr beflissen:
„Warum bist du nicht platt wie ich?
Das möchte ich gern wissen!“
Der Kugelfisch sprach:“Ach wie matt
und auch sehr ungesund
wär‘ das, wenn ich wie du so platt
läg‘ auf des Meeres Grund.
Ich schwebe ganz gemächlich hier
am Riff recht schön dahin,
erkunde froh so mein Revier,
rundum zufrieden bin.
Und will mir gar ein Raubtier droh’n,
pump ich mich mächtig auf,
zeig meine Stacheln ihm als Lohn,
dann fehlt’s der Jagd an Lauf.“
„ Ach so, dir dient die Form als Schutz,
gleicht meiner Mimikry,
wenn ich mit Farbenwechsels Trutz
getarnt vor Feinden flieh!
So gibt’s für jedes Tier im Meer
wohl einen Sinn der Form,
der ihm zu leben gibt Gewähr.
Das find ich ganz enorm!“
„ Ja, davon abgesehen, und
oft ist doch Gleichheit nichtig.
Die Vielfalt macht das Leben bunt,
ob jemand platt ist oder rund
ist letztlich nicht so wichtig!“
Geschenke aus des Frühlings Händen
beglücken uns nun reich vor Ort.
Es duftet, blüht; an allen Enden
will sich das Grau ins Grüne wenden,
und Hoffnung heißt das Zauberwort.
Was uns noch arg bedrückt, wird weichen.
Wir sehen Himmels klares Blau.
Der Sonne Strahlen setzen Zeichen;
ein Neubeginn darf jetzt erreichen,
dass wir entgehen dunkler Schau.
So wächst die Zuversicht, dies‘ Leben,
das hier im Werden die Natur
vielfältig schön ins Licht mag heben,
vermag uns Freude, Kraft zu geben,
zu folgen seiner sanften Spur.
Und jede Falte, die dein Antlitz prägt,
zeigt dir im Spiegel, dass dein menschlich‘ Werden,
das sich in Blüte-Reife-Jahren wägt,
vergänglich ist wie alles hier auf Erden.
Doch deine Augen schauen, begeistert noch,
als währe ewig auf der Welt dies‘ Leben
und hieße dich vertrauen, dass kein Joch
dich jemals könnt‘ dem Schönen hier entheben.
Gleich einem Klang, der aus der Wellen Mitte
sich breitet aus, will in die Weite schwingen,
wird, was dir bang erscheint, zur leisen Bitte,
noch lange hier dies süße Lied zu singen.
Noch hängen der Kastanie junge Blätter
gleich ungeübten Flügeln schlaff am Ast,
wo nun befreit von Winters weißer Last
zart knospend Glanz in Blütenkerzen klettert
und Frühling sehnend in den Himmel fasst.
Wenn dann im Mai die Sonne golden malt,
streckt weit sie ihre grünen Blätterhände,
millionenfach, man glaubt, es nehm’ kein Ende,
zum Himmelslicht, und in den Kerzen strahlt
ihr Frühlingsgruß, den sie uns zärtlich sendet.
Dann leuchtet ’s wieder hell in den Alleen.
In lindem Grün grüßt hoffnungsvoll die Stadt,
und auch das Schwanenpaar, dort auf dem See,
so majestätisch schön im Pas de Deux
auf der Kastanie Bühne Heimat hat.
Vielfältig, schön ist das Antlitz der Erde,
hell erscheinend im Glanze des Lichts.
Jeder Strahl, der in Farben sich bricht,
enthüllt es mit Zaubergebärde,
dies liebliche Leben und Werden,
das im Dunkel als Hoffnung noch spricht.
Vielfältig, schön sind die Klänge der Erde,
leise ertönend, tiefbrausend,laut.
Jedes Lied, das erklingt, zart vertraut,
entkleidet mit Geigergebärde
die Seele der stummen Beschwerde,
Harmonie wird in Liebe erschaut.
Vielfältig, schön sind die Düfte der Erde,
herb und würzig, süß, lieblich und mild.
Jede Blüte, sich öffnend, erfüllt,
weithin duftend, die Wiesenmeere,
und die Bäume, Kräuter und Ähren
verströmen sich zärtlich und wild
in der Erde betörendem Bild.
Es brüllt der Löwe, hebt die Pranke,
grüßt Thomas Virnich* gar zum Danke,
der ihn, als Zierde seiner Macht,
mit hoher Mähne hat bedacht.
Als Wappentier steht er hier frei,
blickt kampfbereit zur Staatskanzlei,
hat die Regierung gut im Blick,
trotz Haares-Bürde im Genick.
Schwarz-grün gefärbt in Positur
grüßte uns jüngst noch die Skulptur.
Doch als ich sie da heut‘ erblickt,
war leicht die Farbgebung ver-rückt.
Mir schien, da spielte irgendwer
hier nah am Kochbrunnen Frisör,
und er verpasste, so mein Wähnen,
der „Löwenmähne“ rote Strähnen,
trug auf dem Löwen, nicht so knapp,
mit Sinter-Farbe auch Make-up.
War’s ahnungslose Kinderhand,
weil man das Tier hier farblos fand?
War’s Sympathie für SPD,
vielleicht Satiriker in Spe?
Mir ist es leider nicht bekannt,
jedoch find‘ ich’s ganz amüsant.