Ataraxia

Gelassenheit magst du es nennen,
dein Blick zurück,
der goldene Stunden sieht
und verklärt hier im Abendschein.

Gezähmt auch jenes Aufbegehren,
hast resigniert,
zu oft die Wunden geleckt,
im Bann der Sisyphus-Bilder.

Das Leid, verblasst,
getrocknete Apfelringe,
von Schokolade umhüllt
im Glas der Erinnerungen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Nebliger Morgen

Zart hebt jetzt der Morgen die müden Lider,
verschleiert im Nebel die Landschaft liegt,
als singe der Herbst ihr hier Schlummerlieder,
dieweil er sie sanft in Träumen noch wiegt.

Es fehlen die Farben, der Blätter Glänzen,
nur Krähen thronen im kahlen Geäst.
Ermattet welkt nun nach stürmischen Tänzen
Stamm säumend das Laub, beendet das Fest.

So kühl und feucht mag der Morgen mir sagen:
„Auch du sei zum Innehalten gewillt!“
Ich grüße den Tag, und mit Wohlbehagen
mich Wärme in meinem Zuhause erfüllt.

Da stört mich das Grau nicht, des Nebels Bild;
das Teelicht,es leuchtet im Stövchen so mild.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Wiesbadener Schlossplatz,am 3. Oktober 2015

Das alte Rathaus glänzt im Licht,
ruht still, im Sonntag sanft geborgen
Noch zeigt sich jenes Treiben nicht,
das sonst recht munter herrscht am Morgen.

Die Tische sind fest zugeklappt,
es wird hier noch kein Wein genossen.
Wer dafür hin zum Rathaus tappt,
der findet alles dort verschlossen.

Wie leer gefegt der Schlossplatz liegt,
sogar die Tauben bleiben fern.
Was sonst hier sitzt und flattert, fliegt,
verweilt jetzt andern Ortes gern.

Am Turm die Glocke läutet zehn,
doch nicht dem Kirchgang gilt die Kunde.
Auch wird niemand zum Landtag geh’n,
denn Frankfurt führt zur Feier-Stunde.

© Ingrid Herta Drewing

Oktobers Grau

Des Regentages feucht Gesicht
begegnet mir mit matten Blicken,
wo unlängst, leuchtend noch im Licht,
der Herbst mit seinem Farbgedicht
mir Sinn und Seele konnt’ beglücken.

Ein Tief, das über Land spaziert,
hat mit Oktober angebandelt,
sein warmes Gold rasch konfisziert
und uns schon stürmisch vorgeführt,
wie schnell sich Hell in Dunkel wandelt.

Ich hoffe, dass nur kurze Zeit
der Herbst wird dulden die Chimäre,
damit von tristem Grau befreit
Natur in farbenfrohem Kleid
beende strahlend die Affäre!

© Ingrid Herta Drewing

Kalter Regentag

Der Herbst fasst heut‘ mit nassen, kalten Händen
den sommermüden Bäumen ins Gesicht,
die ihren Blättern nun das Grün entwenden.
Diffus nur schenkt sich dieses Tages Licht.

Doch noch hält reiche Ernte die Natur:
Kastanien, Eckern, Eicheln, Nüsse fallen.
Eichhörnchen sind hier flink auf Sammel-Tour;
man sieht sie, wenn vorbei der Nebel Wallen.

Mich fröstelt dieses trübe Regenbild;
ich sehne mich nach goldenem Oktober
und klarem, blauem Himmel, sonnenmild,
der Bäume Farbenspiel hell in Zinnober.

Damit wir aus den milden Frühherbst-Zeiten
nicht gleich in graue Nebelfänge gleiten.

© Ingrid Herta Drewing

Herbsttag

Nebel und Regen
verwischen die Konturen
des Krähen-Baumes.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Musik im Herbst

Nun hält uns Spätherbst fest in seinen Fängen;
der goldene Oktober Illusion!
Nasskaltes Wetter will uns schier bedrängen,
und ohne Schirm kommt keiner jetzt davon.

Die Bäume,noch belaubt,in warmen Farben,
jedoch zum Leuchten fehlt das Sonnenlicht.
Herbst-Himmel lässt im Einheitsgrau uns darben
und buchstabiert schon Abschied und Verzicht.

Da gilt es, selbst für warmen Glanz zu sorgen,
der in der Kälte Wohlbefinden bringt.
Musik schenkt Raum und führt uns wohl-geborgen
dorthin, wo unsre Seele freudig schwingt.

Kein Wetter kann uns da den Tag verdrießen,
wenn wir die schönen Klänge froh genießen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Früher Schneefall

Das Blätterbunt mit Schnee bestäubt,
ein seltsam‘ winterlich‘ Gebaren,
wo von Oktobergold betäubt
wir noch mit Herbst in Einklang waren!

Zu früh erscheint die weiße Pracht;
die uns zur Weihnacht darf erfreuen,
wenn sie statt Regen uns ganz sacht
mit Glitzer-Sternchen mag bestreuen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Winterlicher Herbst

Nun, da die Tage sich verdunkeln,
die Landschaft kalte Nacht erblickt,
der warmen Sternen-Nächte Funkeln
fast ins Vergessen ist gerückt,
scheint Herbst sich winterlich zu geben.
Auf nahen Hügeln fällt schon Schnee,
obwohl das farbenfrohe Leben
noch singt im Baumlaub hier am See.

Da fehlt die feine Trennungsschärfe,
der Jahreszeiten klarer Glanz,
wenn Winter wirkt in Herbstes Verve
noch vor des Sturmwinds Blättertanz.
Hier scheint sich alles zu vermischen,
was sonst doch recht geordnet schien,
als gelte es, nun zu verwischen
des Lebens Kreislauf,Welken,Blüh’n.

Die Kraniche nach Süden fliehen,
Nord-Ostwind trägt den Vogelflug
derweil aus Süd-Ost Menschen ziehen
zu uns in großem Flüchtlingszug.
Sie kommen an, so voller Hoffen,
dass alles lebenswert mag sein.
Doch mancher merkt da nun betroffen,
kein Paradies lädt ihn jetzt ein.

Was ein Willkommen hier verhießen,
und sich als Wohlfahrt hat verbürgt,
zeigt oft den Notstand, ein Verdrießen
in Massenunterkünften wirkt.
Da mag zwar guter Wille siegen,
doch vieles,was von weitem glänzt,
erweist sich nah als Brechen, Biegen,
da Endlichkeit die Kraft begrenzt.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Kälteeinbruch

Wetterkundler uns berichten,
ab vierhundert Meter Höh‘
gebe es den ersten Schnee.
Gar nicht mag man das, mitnichten!

Zeit wird’s wohl für Winterreifen,
falls der Schnee so früh nun fällt,
sich die Kälte schon einstellt.
Ja, man kann es kaum begreifen!

Üppig glänzt der Farben Pracht,
schmückt das Laub doch Büsche,Bäume,
Sonne schenkt noch helleTräume,
wenn sie mittags golden lacht.

Dennoch Nacht zeigt kalt Gesicht,
und es fröstelt meist‘ am Morgen.
Du fühlst dich zu Haus geborgen;
hier wärmt Feuer dich und Licht.

Schnell räum‘ man nun Obdachlosen
eine warme Heimstatt ein.
Draußen sollte keiner sein,
auch wenn falsch sind die Prognosen!

© Ingrid Herta Drewing