Frühsommer-Abend

Frühsommer spielt schon vor den Türen,
der Sehnsucht nach der Sonne stillt,
vermag mit Düften zu verführen
und lässt uns abends noch flanieren
in lauen Lüften, Wonne mild.

Am Himmel Mauersegler schweben;
ein lieb gewohntes, schönes Bild,
wie sie sich leicht im Licht verweben,
als sei für sie dies‘ irdisch‘ Leben
vom Glanz der Ewigkeit erfüllt.

Allmählich mag der Tag nun gleiten
ins dunkle Blau der klaren Nacht,
den Sternenmantel licht ausbreiten,
auf dem die sanften Träume schreiten,
die hier der Silber- Mond bewacht.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Floras Welt

Auf diesem Foto strahlt noch Flieder hell.
Doch heute sah ich dort verwelkte Blüten.
Auch wenn der Mai nun endet viel zu schnell,
lockt uns ab Montag Junis schöne Güte.

Vereinzelt blühen schon die Lindenbäume,
und bald beherrscht ihr Duft hier die Allee,
beschert den Bienen Nektar, Honigträume;
ich schnupper nasenselig in die Höh’.

Und da, wo jüngst in zarten,weißen Träumen
sich zeigten blühend Kirsch-und Apfelbaum,
mag nun das Reifen nicht die Zeit versäumen,
schenkt grünen Früchtchen ihren Wachstums-Raum.

Es birgt der Augenblick,ein jeder Tag
in Floras Reich ein wundersames Raunen.
Und Rosenknospen öffnen sich im Hag;
wir dürfen ihre Schönheit still bestaunen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Erinnerungen an die Nachkriegszeit

(Der erneute Fund einer Fliegerbombe
und die Evakuierung der Menschen weckt
Erinnerungen an die Nachkriegszeit.)

Die Waffen schwiegen, das Leben
trug grau noch des Hungers Kleid.
Doch unser kindliches Streben
konnte es spielend verweben,
wir kannten größeres Leid.

Des Krieges Bomben entronnen,
meist ohne Habe und Haus,
wurde erneut nun begonnen.
Da wir das Leben gewonnen,
lockte uns Freiheit hinaus.

Kinder, dem Spiel überlassen,
zu neuem Dasein bereit,
lebten wir auf in den Gassen,
lernten, was nützlich erfassen
in Trümmern der Nachkriegszeit.

Die kleinen Freuden,bescheiden;
das sollten Wünsche wohl sein.
Da gab es kein Marken-Neiden,
durch Mutters Nähkunst war’s Kleiden
nützlich, normal, also fein.

Ein Buch, einen Apfel zum Fest,
die Flöte, ein Hauch von Kultur
erblühte in Trümmern.Ein Nest
der Wärme, die Mutter! Das Best’
war doch ihre Liebe pur.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Beim Anblick der Mauersegler

Kaum flügge, fliegen sie ins Leben,
die Mauersegler-Kinder dort!
Hoch seh ich sie am Himmel schweben,
sich sanft im Sonnenlicht verweben,
als sei die Luft ihr sichrer Hort.

Für mich sind sie Frühsommers Boten.
Nun strömt hier Wärme in die Welt!
Der Winter wich zu Antipoden,
und Frühlings Flora darf ausloten,
was uns noch blumigzart gefällt.

Wir freuen uns an Blütendüften,
an klarem Tag und Vogelsang.
Doch Mauersegler in den Lüften,
so fern von Dunkelheit und Grüften,
verkünden schon des Sommers Klang.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Frühsommerlich

Ein Flüstern in den Wäldern;
das Bächlein plätschert sacht.
Es blühen blau die Felder,
Lavendelduft in Pracht.

Und wispernd in den Wiesen
flirrt zart der Sommerwind,
der rote Mohn mag grüßen
das schön bekränzte Kind.

Es tanzt dort, selig träumend,
und singt sein helles Lied.
Im Schatten alter Bäume
sitz’ ich, froh mein Gemüt.

Und fühle mich geborgen
in diesem Sommerglück.
Ich frage nicht nach Morgen,
verwehr’ der Zeit den Blick.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Sommerlich

Frühsommerfeuer
leuchten rot in den Wiesen,
Klatschmohn-Gesänge.

© Ingrid Herta Drewing

Tagesbeginn

Dunst über dem Tal,
die ersten Vögel zwitschern,
und Sonne geht auf.

Klare Perle, Tau
auf einem Huflattichblatt,
Geschenk des Morgens.

Löwenzahnsonnen
strahlen im Grün der Wiese,
erhellen den Tag.

© Ingrid Herta Drewing

Frühsommer-Licht

Die Feuermale,
roter Mohn in den Wiesen,
ein Sonnengeschenk.

© Ingrid Herta Drewing

Pfingstfreude

Pfingstrosen, zart das Blütenkleid, und Mohn,
dies’ leuchtend rote Feuer in den Wiesen!
Ein leichter Wind die Gräser wiegt, sie fließen
in sanften Wogen, lichter Strahlen Lohn.

Frühsommer spielt schon in den Sonnenuhren;
am Mittagshimmel das Gestirn hoch glüht
und kost die Wälder und die grünen Fluren,
die Auen, Gärten, die hier neu erblüht.

Da regt in allem hell sich die Natur,
wer vormals traurig war, ist gut gestimmt.
Die Freude zieht, mild lächelnd, ihre Spur,
die vielem nun den grauen Schatten nimmt.

So mag man auch die Pfingstbotschaft verstehen
und miteinander menschlich umzugehen.

© Ingrid Herta Drewing

Grauer Maientag

Ein Maientag, doch regengrau
zeigt sich die Welt am Morgen,
und dennoch grüßt der Blüten Schau
im Garten wohl geborgen.

Die Ringeltaube auf dem Dach
zeigt gurrend dort ihr Leben,
dieweil, ganz ohne Ungemach,
am Himmel Schwalben schweben.

Mir fehlt das goldne Sonnenlicht,
doch weiß ich, auch der Regen
ist nötig, denn zu trocken bricht
das Wachsen, das wir hegen.

© Ingrid Herta Drewing,2015