Endlich

In jedem zarten Beginnen
wohnt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, und dein Sinnen,
dem träumend doch zu entrinnen,
spannt nur die Flügel weit.

Im Lichte der Illusionen
siehst du den hellen Schein,
würdest gern Himmel bewohnen,
die Schwerkraft für dich entthronen
in deinem kleinen Sein.

Die Phantasie leiht dir Schwingen,
schildert den fremden Stern.
Dein irdisch‘ Los, all die Dinge,
die dir als Tagwerk gelingen,
siehst du, entrückt und fern.

Doch auch dieses kühne Sinnen
kennt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, kein Entrinnen,
kannst du auf Dauer gewinnen,
spannst nur die Flügel weit.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Abendstimmung

Leise rauscht der Wald.
Der Sommerwind flüstert sanft
in Wiesenwogen.

Es schweigt der Grillen Musik;
Venus erstrahlt am Himmel.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Im Rosenhag

Rosenhag,
ein Rosenreigen,
Blüte um Blüte
in lieblich betörendem Duft,
Sommerträume.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sommermorgen

Tau auf den Wiesen,
und strahlend zaubert Sonne
leuchtende Perlen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sommertage

Der Sommer hält in seinen warmen Armen
geborgen nun die kleine, helle Welt.
Die Wälder rauschen, Heuduft auf den Farmen;
der Himmel leuchtet blau und unverstellt.

Das ist die Zeit der milden Zaubernächte,
und Paare traulich unter Sternen gehen.
Als ob dies’ süße Lied nur Segen brächte,
lässt sie die Liebe in die Zukunft sehen.

Wer denkt da schon an Herbst? Die Blätter grünen,
und unterm Dach ziehn Schwalben ein und aus.
Die Sonne strahlt, als möcht’ sie Regen sühnen,
der wochenlang belastet Mann und Maus.

Jetzt wohnt im Haus das Glück, die Fenster offen,
schaut es beherzt hinaus, ein freudig’ Hoffen.

© Ingrid Herta Drewing

Zwanglos

Gefangen in der Legebatterie,
kein grünes Gras in Sicht,denn Sand zum Scharren,
träumst du des Fliegens Kondor-Melodie,
und wer dich hört, zählt dich zu jenen Narren,
die optimistisch sehen jede Spur,
obwohl sie Sklaven sind der großen Uhr.

Vielleicht verhilft dir ja dies‘ vage Hoffen
des Alltags Grau zu tragen, gibt Geduld,
um, wenn einmal die kleine Tür steht offen,
zu nutzen eines Augenblickes Huld.
Befreit sich fühlen dann, dem Joch entfliehen,
wie Phönix neu im Leben zu erblühen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Am Rhein

Seit Jahrmillionen deine Wasser fließen
zur Nordsee hin, Europa-Strom, mein Rhein.
Ich sitz an deinem Ufer, halt die Füße
in deine Wellen, die mich sanft begrüßen,
lass mich auf deine kühnen Träume ein.

Erzählst vom Hochgebirge, deiner Flüsse Quellen,
von Alpenschluchten und vom Bodensee,
auch von Schaffhausen, deinen Wasserfällen,
die rauschend in die Tiefe stürzen, schnellen
ins flache Tal hinab aus großer Höh‘.

Noch klingen Lieder aus den alten Zeiten,
von tapfren Schwarzwaldflößern, rauhen Kehlen.
Die Pfälzer Weine immer noch beseelen.
Rheinhessen und der Rheingau sie begleiten;
der Römer Erbe mag man nicht verhehlen.

Und hier am Mittelrhein webt weise,leise
die Sage fein noch ihren Zaubersang.
Auf hohen Felsen Rittermacht beweisen
die Burgen den Touristen, die hier reisen,
und auf dem Schiff lockt Loreleyen-Klang.

Am Abend, wenn die Sonne glühend sinkt,
der Himmel und der Fluss in Röte glänzen,
und auch der Wein im Glase golden blinkt,
so manchem hier ein Sommermärchen winkt,
ein liebes Lächeln lädt das Glück zu Tänzen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sommermorgen

Ein frischer Morgen hisst die blaue Fahne
nach einer Nacht, die kühl und sternenklar.
Die ersten Sonnenstrahlen lassen ahnen,
dass heut’ ein heller Tag wird für uns wahr.

Schon wiegen sich die Schwalben in den Lüften,
die Grünfink Scharen wirbeln flugs dahin,
und Bienen folgen zarten Blütendüften.
Ich sitz’ auf dem Balkon, froh ist mein Sinn.

Gekuschelt noch in eine warme Weste,
schau ich mir an dies schöne Morgenbild,
seh’, wie die Vogelmutter fliegt zum Neste
und höre, wie das Leben, sanft gewillt,

nun munter wird, ins Sommertagen mündet
und konzertierend seinen Rhythmus findet.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Mittsommer

Der längste Tag des Jahres hat begonnen,
und golden feiert Licht, uns nun bedacht
Mittsommernacht, in Liebe lass uns sonnen,
bevor die Dunkelheit erneut erwacht.

Die Hoffnung, dass auch hier ein Sommerleben,
in Licht getaucht, sein blühend‘ Lied erfüllt,
lässt uns in Harmonie nun mild verweben,
was sonst so grau die Wirklichkeit verhüllt.

Wohl wissend, dass die Sommersonnenwende
allmählich kürzt den Tag in unsrem Raum,
genießen wir dies‘ Leuchten ohne Ende
wie einen schönen, lang ersehnten Traum.

Wir reichen freudig uns zum Tanz die Hände,
so als ob unser Leben neu sich fände.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Rosenarie

Ach,zarte Rose, lieblich von Gestalt,
dein Blütenbild ist mir ein sanft‘ Verheißen
des Lebens Schönheit, jener machtvoll leisen,
ergreifend tiefen Liebes-Urgewalt.

Jedoch es mischt sich ein dies‘ stille Trauern.
Die Zeit setzt Zeichen, Leben kennt den Tod.
Dein blühendes Gesicht wird welk bedroht;
ein irdisch‘ Sonnendasein darf nicht dauern.

Und dennoch singen wir die Sehnsuchtslieder,
ein süßer Schmerz tönt klingend aus der Kehle.
Das müde Herz schenkt sich in Liebe wieder,
der Freude Hoffnung hell belebt die Seele.

Den Stachel Tod wird Liebe überwinden
und Ewigkeit dem Augenblick verbinden.

© Ingrid Herta Drewing,2014