Frühlingsfreude

Geweckt von hellem Sonnenlicht
dies‘ Leuchten im Forsythienstrauch,
der blühend nun von Frühling spricht,
goldgelb erglänzt der Blüten Hauch.

Die Amsel hat sich eingefunden,
baut fleißig für die Brut ihr Nest.
Das Hähnchen flötet viele Stunden,
singt werbend hier zum Hochzeitsfest.

Sanft ist der Frühling eingezogen,
befreit mit milder Luft das Land,
streicht lächelnd seinen Blütenbogen
und reicht uns zart zum Tanz die Hand.

© Ingrid Herta Drewing

Sprachlos

Zerlegte Worte,
ungeordnete Häufung
blasser Silbenketten,
aus verengter Kehle
gewürgt,
taumeln
schwerzungig
über raue Lippen
im Stammelfall
des Erstaunens.

© Ingrid Herta Drewing

Bärli und die Hausaufgaben

Wie bei Menschenkindern auch,
ist’s bei Bären nun mal Brauch
für das Leben tags zu lernen,
träumen darf man unter Sternen.

Bärli geht seit einem Jahr
in die Schule. Wunderbar
findet er, was man da macht,
viel gelernt wird und gelacht.

Schreiben, Rechnen, Malen, Lesen,
das gefällt dem Bärenwesen.
Und ihr Lehrer, Meister Brumm,
sorgt dafür, dass keiner dumm.

Wenn die Schule mittags aus,
läuft auch Bärli froh nach Haus.
Nach dem Essen geht’s zum Spiel,
denn Bewegung brauchen viel
alle Kinder, auch die Bären.

Mutter lässt ihn nun gewähren.
Mag er seine Freude haben.
Aber auch die Hausaufgaben
soll der Bärli bald noch machen.

Dem vergeht da schnell das Lachen,
möchte gern nur draußen bleiben,
statt zu Haus zu rechnen, schreiben.

Mutter zwar, erklärt ihm richtig,
dass die Übung sei sehr wichtig.
Aber Bärli glaubt das nicht,
ist ein fauler Bärenwicht.

Oft hat er nun, statt zu üben,
sich im Freien rumgetrieben,
denn es macht ihm viel mehr Spaß
mit Freund Brumm im frischen Gras
Raufen, Fangen, Ball zu spielen,
statt ins Schulbuch rein zu schielen.

Bald jedoch ergibt sich dann,
dass er manches nicht mehr kann.
Was er glaubte schon gelernt,
hat sich aus dem Kopf entfernt.

Eines Tages nämlich wollte,
weil der alte nicht mehr rollte,
er ’nen neuen Ball sich kaufen,
musste drum zum Kaufhaus laufen.

5 Euro hielt er in der Hand,
gab sie dem Kaufmann, der befand:
„2 Euro kostet dieser Ball,
du kriegst zurück auf jeden Fall
2 Euro, hast mir 5 gegeben.
Viel Spaß beim Spielen, muss mal eben
nach vorne geh’n, da kommen Kunden!“

Der Bärli ward schnell abgefunden,
lief dann mit seinem Ball nach Haus,
kam an, sehr fröhlich sah er aus;
traf Bruder Brummel, sprach voll Glück:
„2 Euro gab er mir zurück!“

„Ach , Bärli, rechnen solltest du !
Da fehlt 1 Euro noch dazu.
Jeder weiß 5 – 2
Das ist und bleibt noch immer 3!“

Da war der Bärli doch verdutzt,
ihm schien’s , dass Üben doch was nutzt.

Seither macht er erst Hausaufgaben,
um dann zum Spiel noch Zeit zu haben.

© Ingrid Herta Drewing

Schneewarnung

Ich wollt‘ das Wetter ignorieren
mit seinen vielen Kapriolen,
kein Wörtchen mehr daran verlieren,
sollt ’s Thema doch der Teufel holen!

Doch kaum blick‘ ich heut‘ aus dem Fenster,
grüßt Winter grau, der Sonne bar,
zeigt seine flockigen Gespenster
dort, wo noch gestern Frühling war.

Und mich beschleicht ein dunkles Ahnen,
dass dieses Jahr das Osterfest
als ernstes Klimawandel-Mahnen
für uns der Schneehas‘ richten lässt.

Sein Hinweis:Schaut,wenn Eiszeit wäre
und Wolkengrau den Tag vergällt‘,
ihr stündet da in kalter Leere
in einer lebensarmen Welt!

© Ingrid Herta Drewing

Krokusgrüße

Schon recken sie die gelben Köpfe
hier leuchtend aus dem Schnee.
Des Frühlings zarte Blühgeschöpfe
ruft Licht hell in die Höh‘.

Da mag es nachts noch etwas frieren,
am Tag wärmt Sonnenlicht
und lockt zum Wachsen und Brillieren
mit strahlendem Gesicht.

“ Er kommt bald!”,können sie verkünden,
“ der milde Lenz ist nah‘,
der Winter wird sehr schnell verschwinden,
des Frühlings Zeit ist da!”

© Ingrid Herta Drewing

Die Rheinnixe

Ein Angler, am Ufer alleine,
zog aus dem Rhein sich ’ne Kleine.
Sagt:“ Du weißt genau,
du wirst meine Frau,
obwohl du hast Flossen statt Beine“.

Er lehrte sie Anglerlatein
und nahm sie ganz für sich ein;
war er doch ihr Retter,
dazu noch ein netter,
da musst’ er ein Märchenprinz sein.

Doch schmiert’ er ihr täglich auf ’s Brot,
dass er sie gerettet aus Not.
So ließ er sie schwören,
nur ihm zu gehören,
sonst sei ihr sicher der Tod.

Sie konnte bald nicht mehr ertragen,
sein ständiges Nörgeln und Klagen.
Als ein Seemann ihr pfiff,
schwamm sie zu seinem Schiff,
fuhr mit ihm davon voll Behagen.

Der Angler nun wieder allein,
ertränkte den Kummer in Wein
Er soff und ward krank.
Ja, das ist der Dank,
wenn Frauen man fischt aus dem Rhein.

© Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr IV

Noch kreisen zarter Flöckchen Tänze
hier in der klaren Winterluft,
wo Sonnenschein mit hellem Glänzen
das Leben in den Morgen ruft.

Am Futterhäuschen stieben Meisen,
auch Amseln sind hier gern zu Gast,
nun da der Winter heimlich leise
zog seine Fahne auf am Mast.

In Schnee hat alles er gehüllt;
sogar der Hahn der Kirchturmspitze
darf hier in weißem Winterbild
vereist im Sonnenlicht erblitzen.

Die kleine Welt blickt still, betroffen,
sie träumte doch vom Frühling schon,
jetzt muss sie wohl noch weiter hoffen
auf Blütenglück und grünen Lohn.

© Ingrid Herta Drewing

Vom Glück

Man muss so vieles, was es gibt, nicht haben.
Zufriedenheit schenkt uns das wahre Glück,
sich freuen können an den kleinen Gaben
und lächelnd schenken einen lieben Blick.

Den Nächsten, der uns braucht, wohl zu verstehen,
weit öffnen unsre Seele, Herz und Sinn;
mit wachem Blick durch dieses Leben gehen
und nicht nur ständig wittern Geld, Gewinn.

Was uns beglückt, das kann man meist nicht zahlen.
Es schenkt sich uns, macht tief im Innern reich.
Das Raffen, Gieren führt zu Seelenqualen,
treibt auch in Trübsal, führt ins Abseits gleich.

So freue dich an dem, was dir gegeben.
Die Gottesgaben leuchten, die Natur
lässt täglich so viel Schönes dich erleben.
Du musst den Blick dafür bewahren nur.

© Ingrid Herta Drewing

Schneeschmelze

Hell strahlend heut‘ die Sonne bleckt,
hat heiß sich eingestellt.
Den Schnee sie von den Dächern schleckt,
auch schmeckt ’s in Wald und Feld.

Eiszapfen weinen in den Tag,
es tröpfelt von den Zweigen.
Der Bäume Schneepelz, jüngst noch Plag,
lernt wässrig fließend Schweigen.

Und wird’s zur Nacht noch frostig kalt,
liegt Winter auf der Lauer,
dann lehrt ihn tags die Sonn‘ sehr bald,
dass kurz nur seine Dauer.

© Ingrid Herta Drewing

Schnee im März

Die Landschaft liegt im Winterweiß.
Seit vielen Stunden Schnee hier fällt.
Frau Holle wirft mit großem Fleiß
die kalten Sternchen auf die Welt.

Wie hätte mich zur Weihnachtszeit
dies‘ weiße Flockenmeer entzückt!
Doch nun war Frühling schon bereit,
hat uns mit Blütenduft beglückt.

Jetzt ist der Glanz im Schnee begraben;
kein Krokus lila, gelb mehr schaut,
bis Frühling kommt, schenkt neue Gaben,
wenn Sonne wärmt und alles taut.

© Ingrid Herta Drewing