Tulpentopf

Ich seh’ dem Leben gern beim Wachsen zu,
und Tulpen mir erlauben dies seit Tagen.
Zur Rettung vor dem Frost ins Haus getragen,
sie keimten auf, nun wachsen sie im Nu.

Schon blicken aus dem grünen Blätterbette,
geschlossen noch, die Blütenkelche rot.
Es ist, als ob sie wer gerufen hätte
und sie sich reckten zart, vom Licht umloht.

Drei kleine Tulpen nur im Blumentopf,
jedoch sie können mir die Hoffnung geben,
das Glück und Freude selbst dem ärmsten Tropf
beschert sind durch die Kraft, die schenkt das Leben.

Nun warte ich noch einen Tag verhalten,
erlebe sie in leuchtendem Entfalten.

© Ingrid Herta Drewing

Unausweichlich

Schnell gleitet mit der Zeit auch unser Leben,
unmerklich tickt im Herzschlag unsre Uhr.
Wir wissen nicht, wie lang es uns wird geben,
wann die Vergangenheit löscht unsre Spur.

Im Jugendalter schaust du in die Ferne,
der Gegenwart und Zukunft gilt dein Blick;
es blinken übermütig Hoffnungs-Sterne.
Im Alter greift Erinnerung zurück.

Du weißt, dass bald der große Abschied naht.
Es bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen.
Als Mensch ist dir bewusst, da hilft kein Rat.
Dort an der Grenze musst du dich verlassen.

Erspürst wohl tief, das Leben ist so schön;
doch unerbittlich heißt es: Du musst geh’n!

© Ingrid Herta Drewing

Frühlings Erwachen

Und endlich haben Frühlings zarte Hände,
ein sanfter Regen Erde hier berührt;
nun sprießt und wächst es, blühend ohne Ende,
von Sonnenlicht in warmem Gold gekürt.

Als hätte sie den Winter nie gekannt,
der doch noch herrschte eisig hier vor Tagen,
erglänzt im blühenden Perlmuttgewand
nun der Magnolie rosaweißes Wagen.

Im satten Gelb Forsythien hell erstrahlen,
und blaue Teppiche, der Szilla Sterne,
sich in das Wiesengrün des Parkes malen,
wo kleine Gänseblümchen kuscheln gerne.

Die Amsel lässt ihr lieblich Lied erschallen,
verkündend uns des Frühlings Wohlgefallen.

© Ingrid Herta Drewing

Frühling

Magnolien leuchten,
und Amseln singen im Park.
Der Frühling ist da.

© Ingrid Herta Drewing

Der Genitiv

Oft geht’s dem Genitiv nicht gut,
es stiehlt der Dativ ihm den Hut,
denn viele unsrer Zeitgenossen
verwenden diesen unverdrossen.

Der zweite Fall als Attribut,
bringt Deutlichkeit in jene Wut,
er oft den Sinn des Satzes trimmt,
wenn er Subjekt, Objekt bestimmt.

© Ingrid Herta Drewing

Warten

In Washington blühen die Bäume,
in Calgary fiel frischer Schnee;
wir hegen im Regen die Träume
von Frühling und Wiesenklee.

Erhoffen die Rückkehr der Schwalben,
der Obstbäume blühendes Glück;
doch noch greift ins Grau allenthalben
hier sehnsüchtig nur unser Blick.

© Ingrid Herta Drewing

Dornröschen-Schlaf

Es singen keine Vögel,
verlassen liegt das Tal,
kein Wind, kein Sonnensegel,
nur grauer Wolken Qual.

Des dunklen Waldes Schweigen
fügt klanglos sich, fast mild,
dem Tann von jeher eigen,
ins grün begrenzte Bild.

Wo bleibt des Frühlings Jubel,
der hellen Tage Licht,
der Vögel Zwitscher-Trubel?
Gelähmt, hier herrscht Verzicht.

Als hätt‘ ein Zauber böse
die kleine Welt verflucht,
bis sie der Lenz erlöse,
der irrend nach ihr sucht.

© Ingrid Herta Drewing

April-Appell

Die Sonne blickt heut‘ golden aus dem Blau,
probiert bereits das helle, leichte Kleid,
damit, wenn Südens Lüfte wehen lau,
sie passend hier erscheint zur Frühlingszeit.

Wir Menschen geh’n hingegen warm gekleidet;
es bläst ein kalter Wind noch aus Nord-Ost.
Des Winters Rückkehr, der das Osterfest uns neidet‘,
bedachte uns sogar mit Schnee und Frost.

Jetzt lechzt nach Lenz hier alles, was will leben,
nach Wärme, Blütenduft und Gärten Zier.
Es mögen unsre Sänger bald einschweben
und künden lieblich auch von Frühling hier!

April, es reicht!Von plumpen Winterscherzen
erfuhren wir wohl schon genug im Märzen!

© Ingrid Herta Drewing

Kimspiele

Und immer noch gelingt es Diktatoren
hier Menschen kalt in ihren Bann zu zwingen,
obwohl doch weltweit heute aller Ohren
und Blicke ihre Machenschaft durchdringen.

Ein ganzes Volk in Geiselhaft zu nehmen,
gelingt wohl nur, wenn’s andre Völker dulden,
sich eigenen Interessen da bequemen
und übersehen des Despoten Schulden.

Solange Eigennutz und Macht gepaart,
wird sich für Diktatoren wenig ändern.
Die Großen dieser Welt schaun gern a`parte,
sie ziehen selbst Marionettenbänder.

Doch Vorsicht, mancher Popanz, der bekannt,
setzte in seinem Wahn die Welt in Brand!

© Ingrid Herta Drewing

Zustimmung

(Kommentargedicht zu Bardolinos Satire “ Böse PLagiate“)

Auch ich hab bereits festgestellt,
dass sich meine Lichtgedanken
im Gestrüpp all jener ranken,
die sie vormals unverhohlen
mir schon vor Geburt gestohlen.

Sokrates, Kant, Kleist und Goethe
bringen mich da sehr in Nöte;
überall spricht das Plagiat,
selbst der Weingeist: Nur Verrat!
Was ist das nur für eine Welt? 🙂

© Ingrid Herta Drewing