Am Warmen Damm in Wiesbaden

So friedlich hat der Frühling sie vereint;
Nilgänse gehen neben Krähen ,Tauben,
und auch die Enten haben, wie es scheint,
nichts einzuwenden, wenn sie Futter rauben.

Das alles watschelt, hüpft,fliegt auf der Wiese
hier unter Blütenbäumen nah dem Teich.
Magnolien,üppig blühend; zarte Grüße
verschenkt nun auch der Kirschbaum hier so reich.

Ich sitz‘ auf einer Bank, blick‘ zum Theater,
genieß den lauen Lenz mit allen Sinnen;
Beschaulichkeit, mein innerer Berater,
weiß um ein hoffnungsfrohes, neu‘ Beginnen.

Auf Schillers Marmor-Schulter Friedenstauben:
Den Kuss der ganzen Welt! Ich mag’s gern glauben.

© Ingrid Herta Drewing

Im Grünen

Da kuschelt sich die Ringeltaube
ins Grün der großen Efeuwand
und baut ein Nest in ihrer Laube,
zupft Blatt um Blättchen mit Verstand.

Die Amsel tut ’s ihr emsig gleich
in dieser Laubenkolonie,
für viele Vögel Raum und Reich,
auch Finken finden Sympathie.

Recht fleißig nun die Sänger wirken,
erwarten bald die neue Brut.
In zartem Grün der Gruß der Birken,
mit ihnen meint’s hier Frühling gut.

© Ingrid Herta Drewing

Steuerbetrug

Offshore-Leaks,Assi-Freaks,
Steuern nichtig,Zahler flüchtig,
Dank der Bank,wild Gerank‘,
Cayman und die Virgin Inseln,
Londoncity-Tricks-Gepinsel,
Zypern, Schweiz, Lux, Liechtenstein,
Austria lässt Fünf grade sein,
lädt so Hinterzieher ein.

Bankgeheimnis,welch Gewinsel!
Selbst in Griechenlands Gerinnsel
wirken dunkle Hehlerinseln.
Amsterdam und Delaware,
unsereins nimmt’s ja kaum wahr,
Briefkastenfirmen ohne gleichen
halten sich die Superreichen.
Dabei zieht’s so viel Konzerne
monitär weit in die Ferne,
denken nur ans Profitieren:
Mag’s Gemeinwohl doch krepieren!

© Ingrid Herta Drewing

Ergänzung

Was wären ohne Algen die Polypen;
auch ohne Schwammes Nahrung gäb’s sie nicht.
Ihr Kalkgerüst nur blieb‘ in Wassers Trübe,
Korallenschönheit drohte der Verzicht.

Allianzen der Natur, so die Symbiosen,
ergänzend Wirken heißt das Lob.
Der Krabben Arbeit nutzt dem Wald, Mangroven,
entgiftet Wasser sacht im Biotop.

Und manchmal legt sogar ein kleines Tier
die Grundlage für vieler Arten Leben.
Im Pantanal kann Apfelschnecke hier
dem Riesenotter sichern ’s Überleben .

Auch Menschen sollten friedlich sich ergänzen,
Gemeinsamkeit lässt Leben erst erglänzen.

© Ingrid Herta Drewing

Ein Vormittag in meiner Straße

Früh Morgens dringt durch angelehnte Fenster
der Wecker aufgeregtes Piepen,Tuten,
und es erschrecken diese Lärmgespenster
die Menschen, die noch gerne träumend ruhten.

Die ersten Autos starten bald ihr Brummen;
das Kehrmaschinchen durch die Straße klingt,
Motorradknattern, Sehnsucht nach Verstummen
hat Nachtschichtler, der um den Schlaf nun ringt.

Hell lachen Kinder, Schüler zieh’n zur Schule,
und nebenan bellt deshalb Nachbars Hund.
Es weint das Neugebor’ne der Familie Uhle.
Das währt nicht lang, das Kind ist ja gesund.

Dann wird es in der Straße fühlbar still;
ich hör‘ der Frühlingsvögel schönes Singen,
bis kurz vor ein Uhr Klirren zeigen will,
das man das Mittagsmahl zu Tisch wird bringen.

Anschließend waltet sanft des Mittags Ruh‘.
Geschmeidig dehnt sich auf der Balustrade
der Kater, schnurrt und schließt die Augen zu,
ist müde von der Morgenpromenade.

© Ingrid Herta Drewing

Weiße Wolke

Und eine weiße Wolke schwebt
im Blau des Himmels leicht dahin.
Sie zeigt vom Winde sich belebt
und wandelt sich im Formensinn.

Ein Düsenjet zieht seinen Streifen
und fädelt sie als Perle auf,
scheint mit ihr durch das Blau zu schweifen.
Doch kurz nur ist der kühne Lauf.

Die Wolke gleitet einsam weiter,
denn dies‘ Kondenzband hielt nicht fest.
Es bleibt der treue Wind Begleiter,
der frei sie vor sich ziehen lässt.

© Ingrid Herta Drewing

Lichtgesang

Das Licht darf sich dem Tag verschenken,
bringt leuchtend Farbe in die Welt.
Dies‘ Sternenlied lässt dich bedenken,
dass, weit entrückt, ein fernes Lenken
auch unser Dasein hier erhält.

Ein jeder Atemzug, dein Leben,
ist eingebettet in dies‘ All,
in dem der Blau- Planet im Schweben
die Regeln kennt für das Verweben
der Vielfalt hier im Erdenfall.

In Demut Dank den treuen Händen,
der Macht der Gnade, die uns trägt
und täglich auch an allen Enden
beglückt in gütigem Verschwenden
der Liebe, die das Leben wägt.

© Ingrid Herta Drewing

Himmelsbühne

Es tanzen Wölkchen,kleine,weiße
Elevinnen in Himmels Blau,
zu Frühlingswindes sanfter Weise
dort droben ihre sanfte Schau.

In Lichtes Glanz sie hell erstrahlen,
anmutig Wasserzauber spricht;
choreographisch darf sich malen
in Höhen hier das Tanzgedicht.

Es währt nur eine kurze Weile,
dann ändert sich dies‘ lieblich‘ Bild;
ein grauer Wolkenprotz in Eile
droht dunkel dort und regenwild.

Jedoch auch jener muss quittieren,
und heute auch kein Regen fällt.
Der blaue Himmel im Brillieren
der Sonne das Finale hält.

© Ingrid Herta Drewing

Morgenstimmung

Ein tiefes Gurren
in der blauen Dämmerung,
Ringeltaubenruf.

Leis‘ aus der Ferne
ertönt samtweich die Antwort.
Es erwacht der Tag.

Und weiße Schleier
schweben am Morgenhimmel,
Frühlingsbrautgesang.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsglück

Durch diesen zarten Frühlingskuss
die Erde neu erwacht,
in Grün erblühend lacht,
denn endlich ist hier Winters Schluss.
Natur zeigt’s mit Bedacht.

Schon prangt im Tal der Mandelbaum;
mit rosigem Gesicht
wächst Blüte dicht an dicht.
Das Bienchen sucht im Blütenschaum
sein Nektar-Leibgericht.

Im Kirschbaum thront der Amselhahn,
lässt hell sein Lied erklingen.
Die süßen Töne dringen
in Ohr und Herz; auf Frühlings Bahn
möcht‘ tanzend ich mich schwingen.

© Ingrid Herta Drewing