Valentin und Valentine

Als Valentin und Valentine
sich einstmals trafen auf der Flucht
( In einem Hain für Apfelsinen
hatten sie Früchte ausgesucht
und nicht bezahlt, so unbetucht),
da standen sie einander bei.

Verfolger machten groß’ Geschrei,
doch bald schon gingen sie zurück,
die Suche war ein Missgeschick
sie fanden, dämlich, beide nicht.
Die standen nämlich dicht an dicht
im Keller an die Wand gepresst.

Und wie sich leicht vermuten lässt,
war es in diesem Keller kalt.
Das Haus stand leer, es war schon alt.
Der Valentin, ganz Kavalier,
sagt’ Valentine, sie nicht frier’,
wenn sie sich flücht’ in seine Arm’.

Sie tat ’s, den beiden wurde warm
und da sie nun so nahe standen,
die Lippen sich zum Kusse fanden.
Schwupps war ein Apfelsinendieb
nun glühend ins Pendant verliebt.

Die beiden lebten bald als Paar,
wen wundert’s, in Valencia,
verkauften Saft aus Apfelsinen
als Liebestrank der Valentine.

© Ingrid Herta Drewing

Der Boshafte

Wer oft mit falschem Zungenschlag
nur Hasserfülltes spricht,
der ist, obwohl er eine Plag‘,
doch auch ein armer Wicht.

Die Bosheit ihm das Herz zerfrisst,
er schwarz nur sehen mag,
des Lebens Güte ganz vergisst,
nichts Schönes ihm behag‘.

Wenn’s für ihn nur Zerstörung gibt,
stets Argwohn ihn treibt an,
erscheint, weil er nichts wirklich liebt,
erbärmlich er sodann.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Gereimte Fragen

Ich mach’ mir manchen Reim auf diese Welt,
obschon mir vieles hier scheint ungereimt.
Warum, das frage ich, regiert das Geld,
wird hier, wer ehrlich ist, so oft geleimt?

Warum beherrschen immer noch Despoten
mit Terror, Grauen hart „ihr“ armes Land
und lähmen Tatkraft, Leben mit Verboten?
Warum geh’n viele ihnen dort zur Hand?

Warum zerstören wir, was unser Leben
erhält, der Erde Schönheit, die Natur,
als sei uns dafür ein Ersatz gegeben?
Warum verbreiten wir des Wahnsinns Spur?

Wer gibt die Antwort auf so viele Fragen?
Ich wüsst’ sie gern, anstatt nur laut zu klagen.

© Ingrid Herta Drewing,

Frage

So vieles scheint mir fremd,
kann es kaum fassen,
dass noch herrscht ungehemmt
dies’ harte Hassen.

Es ist der Mensch fragil,
ein schwindlig’ Wesen.
Nur Liebe führt zum Ziel,
lässt ihn genesen.

Wann sieht er endlich klar,
erkennt, dass Leben
geschenkt und wunderbar
uns ist gegeben?

© Ingrid Herta Drewing

Leben

Wir Menschen, Meister im Verdrängen,
hier leben auf dem Weltenrund,
als ob wir ewig Lieder sängen,
von Tod nichts wüssten, uns nicht zwängen
des Lebens Grenzen, letzte Stund‘.

Uns trägt die Phantasie, schenkt Flügel,
verleiht uns Freude, Lebensmut.
Zwar ahnen wir des Todes Hügel,
jedoch wir halten fest die Zügel
und lenken unser Dasein gut.

Und müssen wir das Leben lassen,
dereinst von dieser Erde gehn,
erkennen wir noch im Verblassen,
dass alles, was wir gerne fassen,
geliehen war – und doch so schön.

© Ingrid Herta Drewing

Abschiedsgedanken

Nein sprich mir nicht von deinen Reisen!
Ich fühl’s, es zieht dich in die Ferne.
Wohin, das wird sich bald erweisen,
obwohl ich hoffte, du bliebst gerne.

Du gleichst dem Strom, ich ruhigem See;
wenn ich verweile, musst du wandern.
Zwar schenkt uns Liebesglück die Höh‘,
doch einer kennt noch kaum den andern.

Bin nicht die Kette, die dich engt,
halt dich mit Schlichen nicht zurück.
Bin nicht die Klette, die fest hängt,
bedacht nur auf das eigne Glück.

Du magst als freier Vogel fliegen!
Die Welt ist weit, lockt dich hinaus,
willst leicht dich in den Lüften wiegen,
verlässt das enge Tal, dies Haus.

Und kommst du wieder, herz‘ ich dich,
mag hell vor Freude mit dir schweben.
Vielleicht gibst dann für dich und mich
gemeinsam auch ein neues Leben.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Hertelchen

Sie trug meist keine Hüte,
nahm mich in sichre Hut,
und ihre Herzensgüte
tat meiner Kindheit Blüte
so gut.

Ja, ihre Wärme,Liebe
nie forderte Verzicht.
Gab mir das Leben Hiebe,
und schien der Himmel trübe,
schenkte sie Licht.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Heiligabend

Die letzten Stunden im Advent
auf Weihnacht stimmen festlich ein.
Schon hell die vierte Kerze brennt,
und warm erstrahlt der Lichter Schein.

Andächtig wird der Tag begleitet,
beschaulich wirkend ohne Hast,
weil das, was als Geschenk bereitet,
nur seinen Wert als Liebe fasst.

Sei es nun Tanne oder Fichte,
geschmückt, grüßt traulich uns der Brauch.
Der Weihnachtsbaum erglänzt im Lichte,
und Kinderaugen leuchten auch.

Gemeinsam finden wir uns wieder,
sonst oft durch Arbeit, Zeit getrennt,
und singen froh die alten Lieder,
die schönen, die ein jeder kennt.

Die Weihnacht, keine Phantasie!
Die Botschaft, die uns Frieden kündet,
schenkt Liebe, Freude, Harmonie,
Vertrauen, das uns hier verbindet.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Weihnachtsfreude

Schneesterne tanzen, schweben leise
zur Erde,wo, trotz Winters Fracht,
erklingen will die traute Weise
vom Kinde, das in stiller Nacht
die Friedensbotschaft uns gebracht.

Zur Weihnacht strahlen nun die Kerzen;
der Hoffnung Licht wird hell entfacht.
Christrosen blühen, wie im Märzen
ein Frühlingsleuchten neu erwacht,
wärmt und beglückt die Herzen sacht.

Der Freude Jubel schwingt im Kreise,
verdrängt des Argwohns dunkle Macht,
schickt Liebeslieder auf die Reise,
als hätten Engel sie erdacht
und hielten himmlisch hier die Wacht.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Advent

Adventszeit ist,
uns stünde an
ein Innehalten,
liebend zu walten,
so gut man kann,
zum Fest des Christ.

© Ingrid Herta Drewing,2015