Archive for the Category Jahreszeiten

 
 

Sommervögel

Hoch über den Wiesenwogen
der Sonne goldenes Segel.
Weithin sichtbar im Blau,
schwärmend über der Au
in Wärme muntere Vögel,
die endlich zu uns gezogen.

Sie tragen Licht im Gefieder,
die Schwalben, die sanft dort schweben,
und künden Sommer an;
doch auch den Herbst sodann,
wenn sie zum Zuge sich heben
und ziehen nach Süden wieder.

Doch jetzt in des Tages Milde
sie hoch in den Lüften fliegen.
Beschwingt die helle Zeit
im bunten Sommerkleid!
Auch in der Wiese ein Wiegen
im Farbentanz der Gefilde.

© Ingrid Herta Drewing

Warten

In Washington blühen die Bäume,
in Calgary fiel frischer Schnee;
wir hegen im Regen die Träume
von Frühling und Wiesenklee.

Erhoffen die Rückkehr der Schwalben,
der Obstbäume blühendes Glück;
doch noch greift ins Grau allenthalben
hier sehnsüchtig nur unser Blick.

© Ingrid Herta Drewing

Liedertext-Änderung

Da das Wetter so verhext,
stimmt nun häufig nicht der Text
in den Liedern, die erklingen;
man muss das wohl anders singen:

Im Märzen der Bauer
den Schlitten anspannt,
der Winter lang dauert
und weiß liegt das Land.

Es schlafen die Lieder,
denn Winter kehrt wieder,
bringt eiskalte Luft
statt Blüten und Duft.

Alle Vögel waren da,alle Vögel alle.
Kranich,Drossel,Storch und Star
und die ganze Vogelschar
fanden hier nur Winter klar,
flohen südwärts alle.

Uns auch holte Winter ein
wie die muntren Vögelein,
stimmen in das Klag’lied ein:
Frühling ,komm mit Schalle!

© Ingrid Herta Drewing

Schneewarnung

Ich wollt‘ das Wetter ignorieren
mit seinen vielen Kapriolen,
kein Wörtchen mehr daran verlieren,
sollt ’s Thema doch der Teufel holen!

Doch kaum blick‘ ich heut‘ aus dem Fenster,
grüßt Winter grau, der Sonne bar,
zeigt seine flockigen Gespenster
dort, wo noch gestern Frühling war.

Und mich beschleicht ein dunkles Ahnen,
dass dieses Jahr das Osterfest
als ernstes Klimawandel-Mahnen
für uns der Schneehas‘ richten lässt.

Sein Hinweis:Schaut,wenn Eiszeit wäre
und Wolkengrau den Tag vergällt‘,
ihr stündet da in kalter Leere
in einer lebensarmen Welt!

© Ingrid Herta Drewing

Vorfrühlingsbild

Mag auch noch Rauch ins Blaue ziehen;
der Märzensonne Tagen
geht Winter an den Kragen,
weckt warm nun Blumen auf zum Blühen.

Da läuten kleine Blütenglöckchen
zart,weiß den Frühling ein.
Der Krokus zeigt sich fein
in leuchtend gelben, lila Röckchen.

Es schwellen Knospen an den Zweigen;
der Amselhahn, er singt.
Des Frühlings Lächeln schwingt
im hellen Licht, dem Leben eigen.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsnähe

Schneeglöckchen, zarte,grüne Spitzen
keck schauen aus dem Weiß hervor.
Schneeflöckchen tauen, hell aufblitzen
im Sonnenlicht, das steigt empor.

Eiszapfen hängen an den Dächern
und weinen im Synkopentakt;
der Winter,der sie ließ auffächern,
ist reisefertig, hat gepackt.

Er flieht den Tauwind, zieht nach Norden
und räumt dem Frühling das Revier.
Bald werden Gärten überborden
in duftend‘ reicher Blütenzier.

© Ingrid Herta Drewing

Erinnerungen

Und wenn aus jenen fernen Nächten
die Sterne, die so groß an Zahl,
mir diese Stunden wieder brächten,
die nur erträumten und die echten,
die süßen Stimmen allzumal;
ich weiß nicht, ob sie mir auch heute
so wohlig klängen im Gemüt;
in frisch erwachter, neuer Freude
ein alt vertrautes Liebeslied?

Das,was gewesen, liegt im Schreine,
Erinnerungen, sanftes Gold,
doch es erglänzt in hellem Scheine,
vergessen Last,es zählt alleine
was schön erlebt und lächelt hold.
Obwohl dies‘ alles längst gebunden
in hartem Schluss, Vergangenheit,
hat es sich heimlich eingefunden
und gibt der Gegenwart Geleit.

© Ingrid Herta Drewing

Klimawandel

Des Winters Pracht dem Tauwind weicht,
dem Regen auch, der prasselnd spült,
sich hier in Firn und Schnee nun wühlt,
in Bächen strömt,den Fluss erreicht.

Wird hier ein Abschiedslied gesungen?
Kommt Frühling? Ist’s nur Interim?
Zurückgekehrt hat Winters Stimm‘
sehr oft noch harsch im März geklungen.

Das Spiel der Wetterkapriolen
begleitet uns das ganz Jahr;
vorbei ist’s, als noch unverhohlen
man Jahreszeiten sah so klar.

Jedoch da hilft kein Lamentieren!
Den Klimawandel gilt ’s zu stoppen,
das “Treibhausgas’”zu reduzieren,
damit wir nicht die Hitze toppen,
durch Stürme, Fluten Land verlieren,
des Golfstroms Wirkung malträtieren,
und dann
im ew’gen Eis erfrieren.

© Ingrid Herta Drewing

Jahresfreuden

Wir hegen Träume,schauen zu den Sternen,
die hell erstrahlen, zeigen Lichtes Macht,
das, überwindend dieses Welltalls Fernen,
von Hoffnung kündet in der dunklen Nacht.

Im Frühling freu’n wir uns an Blüten wieder,
die lieblich und betörend Duft verströmen,
an Vogelstimmen, deren süße Lieder
uns schon am Morgen klangvoll hier verwöhnen.

Wir lieben auch die langen Sommertage,
die uns bescheren Wärme, helles Licht,
obwohl dann manchmal der Gewitter Plage
nach schwüler Hitze blitzend, donnernd spricht.

Den goldnen Herbst mit seinen Purpurfeuern,
die er nach Reifung in das Laub einbrennt,
ein Abschiedslied, hier darf Natur beteuern,
dass sie gewiss des Lebens Schönheit kennt.

Begrüßen Wintertage, klare Luft,
den ersten Schnee, der sanft vom Himmel fällt,
wenn wir, gut eingehüllt in warme Kluft,
spazieren durch die stille, weiße Welt.

Wir schwingen mit im Kreislauf der Natur.
Dies‘ Wechselspiel aus Werden und Vergehen,
es lässt auch unser Leben uns verstehen,
das sich bewegt auf einer zarten Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Kraniche I

Es zogen Kraniche nach Süden,
und träumend folgtest du dem Zug
mit einem Blick, der nimmermüde,
viel Fernweh, Sehnsucht in sich trug.

Du sahst vor dir die Palmenhaine,
den wilden Fels’ am blauen Meer
und auch am Hang versteckt das kleine,
weiß strahlend’, schöne Haus, so hehr.

Zu gerne wärst du mitgezogen,
wärst du nur wie ein Vogel, frei!
Bist in Gedanken fort geflogen,
entflohst kurz grauem Einerlei.

© Ingrid Herta Drewing, 2009