Archive for the Category Natur

 
 

Gleichgewicht

Dicht überm Wasser fliegt Libelle,
die sich zu ihrer Schöngestalt
entpuppt hat; und die Lachsforelle
schwimmt mit dem Flüsschen aus dem Wald.

Sie will das große Meer erreichen,
das ihre Mutter einst verließ,
um in der Flussheimat zu laichen,
ein Ziel, das ihr Instinkt verhieß.

Das Leben findet viele Formen,
ob hier im Wasser, ob an Land,
und sprengt des Menschen enge Normen
der nur nach Beute streckt die Hand.

Sehr oft vergisst er, zu bedenken,
dass jedes Glied in der Natur
ein andres stützt; ein großes Lenken
weit ab von seiner schmalen Spur.

Das Gleichgewicht im Biotop
gilt es zu sehen, zu bewahren.
Wer sich versteht als Philanthrop,
der folg’ auch dem Prinzip, dem wahren.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerduft

Heut grüßt der Tag so hell; und mild
die sommerlichen Lüfte,
betörend duftend, sind erfüllt
von vieler Kräuter, Blüten Düfte.

Die Minze, der Lavendelstrauch,
die Rosenhecke, der Jasmin
Reseden, Lindenbäume auch
im frühen Sommer licht erblüh’n.

Da gehst du nasenselig nun,
genüsslich schnuppernd, gern spazieren,
darfst dort im Rosenhag ausruh’n,
lässt dich von Düften inspirieren.

Und fühlst, wie schön sie ist, die Welt,
Natur, ein Wachsen, neu Beginnen,
jenseits der Sorg’ um Gut und Geld,
erlebst du ’s tief mit allen Sinnen.

© Ingrid Herta Drewing

Sonnenblumen

Es recken hier die Sonnenblumen
zur Sonne hin ihr Sterngesicht,
das goldgelb zu der großen Muhme
nun strahlend auch von Leben spricht.

Fein aufgestellt, wie zur Parade,
sind Tausende hier auf dem Feld,
als warteten sie auf die Gnade,
die auch ihr Dasein hier erhellt.

So mancher Mensch auf dieser Erde
verhält sich wie der Heliotrop
und träumt mit hoffender Gebärde
von eines Leitsterns lichtem Lob.

© Ingrid Herta Drewing

Gelassenheit

Fast stoisch sitzen dort im Dauerregen
zwei Ringeltaubenkinder auf dem Dach.
Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bewegen,
die Wasserdusche wohl kein Ungemach.

Dies’ sollte mir als gutes Beispiel dienen;
ich wünsche mir so viel Gelassenheit,
wenn Wetterkapriolen mir verminen
die Sommerwege meiner Urlaubszeit.

Doch will ich mich in Federn nicht verstecken,
auch wenn der Regen hier noch Wochen dauert,
werd’ ich mich mausern, Neues froh entdecken.
Es gibt viel Schönes, wo kein Wetter lauert.

Werd’ so Gelassenheit geduldig üben
und ignorieren, was den Tag könnt’ trüben.

© Ingrid Herta Drewing

Frühsommerimpressionen

Mohnfeuer leuchten in den Wiesen,
und Sommer summt sein Liebeslied;
ein zarter Wind durch Gräser zieht.
An Baches Ranft ein golden Grüßen,
der Hahnenfuß hier hell erblüht.

Und dort am See die Weiden neigen
dem Wasser zu ihr grünes Haar;
geschützt das Nest, ein Schwanenpaar,
das sich nur ab und zu will zeigen,
betreut die Brut, wehrt der Gefahr.

Der Himmel strahlt in klarem Blau.
Gemächlich nur zwei Wölkchen weben
sich in ihr watteweiches Leben
hoch hier zur Wald- und Wiesenschau,
um weiß im Lichte zu entschweben.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsritt

Der Morgen hell und blau,
die Luft so rein und klar
und dennoch lieblich, lau,
des Frühlings Blütenschau,
ein Duften, wunderbar!

Froh sattelst du dein Pferd
und reitest in den Wald.
Wie hell grünt Baum und Erd’!
Der Mai hat ’s uns beschert,
und jung wird, was schien alt.

Du siehst dies Wachsen, Streben;
da geht das Herz dir auf:
Wie herrlich ist das Leben!
Ein Pegasus im Schweben
nimmt seinen Himmelslauf.

© Ingrid Herta Drewing

Verhextes Wetter

Nun lässt der Mai uns aber heftig schwitzen.
Mit schwülen Tagen gibt er sich recht sommerlich;
war ’s jüngst noch kalt, so plagt uns nun die Hitze.
Man schaut auf den Kalender, und man wundert sich.

Gewitter toben so, als sei August,
und manche Tropennacht verweigert dir den Schlaf.
Man denkt an Klimawandel, und bewusst
wird jetzt ersetzt der Rasenmäher durch das Schaf.

Doch dann bricht aus ein ruhender Vulkan,
und dessen Asche dicht verhüllt der Sonne Schein.
Es kühlt sich merklich ab; ein Kältewahn
zieht ein, obgleich es eigentlich sollt’ Sommer sein.

Da mag das Wetter hier erscheinen wie verhext,
doch du erkennst genau: Das Klima ist komplex.

© Ingrid Herta Drewing

Mailaunen

Es mimt der Mai hier launig den April,
lässt wechseln Graupel, Regen, Sonnenlicht.
Mal lacht des Himmels Blau, dann ist dort dicht
die Wolkenmeute, die nicht ruhen will.

Schon neigen sich die zarten Blumenköpfe;
die Hagelkörner prasseln gar zu wild.
In Nestern zittern zierliche Geschöpfe,
denn in den Büschen, Bäumen tobt der Wind.

Mir fehlt der milde Mai, der sonst so wonnig
beglückt’ mit süßen Düften, Blüten, zart,
wenn seine hellen Tage, warm und sonnig
uns froh gestimmt auf Frühlings sanfte Art.

Ach, Mai, leg ab die Maske! Wir erwarten
dein lieblich’ Bild schon sehnsuchtsvoll im Garten.

© Ingrid Herta Drewing

Mai-Abend in Münsters Rieselfeldern

Rotgolden sinkt die Sonne nun,
schenkt Abendglanz dem See.
Die Enten, Gänse, Schwäne ruhn
im Zauber aus der Höh’.

Die Küken kuscheln sich im Nest;
in sichrer Hut der Schwingen
der Mutter schlafen sie bald fest,
was auch die Nacht mag bringen.

Sogar die Möwen still nun sind,
die sonst laut eifernd schreien.
Im Schilf sirrt sanft der Abendwind,
wiegt Vogelkinder zart und lind,
die träumend hier gedeihen.

© Ingrid Herta Drewing

Stürmischer Tag

Krächzende Krähen,
Sturmvögel stieben ums Haus,
Gewittermorgen.

In Frühlingsbäume
greifen wild Regen und Sturm,
peitschen die Äste.

Und Hagelkörner
prasseln, tanzen auf dem Weg,
der winterweiß wird.

© Ingrid Herta Drewing