Archive for the Category Liebe

 
 

Pfingstsonett

Nicht Mauer sein, nicht Wall, der alles trennt,
die Tür sein, die in Freiheit, Weite führt,
die Brücke, die verbindet, was getrennt,
ein Mensch sein, den die Nächstenliebe rührt.

Nicht Feuer sein, im Wahn die Welt zerstören;
doch Frühlingsregen, der die Erde netzt,
sie hegen, auf des Lebens Stimme hören,
der Sonne gleich, die sie ins Blühen setzt.

Mit wachen Augen durch das Leben gehen
und Fehler nicht nur bei den Andern sehen,
von Eitelkeit geblendet und gehemmt.

Sich nicht im Starrsinn dumpf ums Ego drehen,
versuchen, andre Menschen zu verstehen,
erscheinen sie zunächst auch noch so fremd.

© Ingrid Herta Drewing

Erinnerung

Tage aus Gold gesponnen,
zärtlich der Wind im Haar.
Vage hatte begonnen
unser Leben als Paar.

Ließen Liebe gewähren,
zähmend Pflichten und Zeit.
Fließen in Glückes Sphären,
Träumen im Sternenkleid.

Bilder ins Herz geschrieben,
nimmt weder Zeit noch Tod.
Milder malt unser Lieben
erinnernd sein Morgenrot.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Die Gerade

Es war eine Gerade,
die dachte :“Ach, wie schade,
dass ich so einsam bin!
So eine Parallele,
mit der fänd‘ ich als Stele
auch einen neuen Sinn.

Vielleicht, das wäre heiter,
wir fänden uns als Leiter
mit vielen kleinen Streben
und führten hoch hinauf,
des Früchte Erntens Lauf
im Kirschbaum zu erleben.“

So träumte die Gerade
auf ihrer Promenade
nur vor sich hin.
Den Kreis, der ihr Begleiter,
berührte sie kaum weiter,
Tangentensinn.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Romanze

Es trägt die Nacht des Mondes Silberschleier,
taucht in ein schimmernd‘ Licht den Blütenhain,
dem Park verleiht sie märchenhaften Schein.
Ein Schwanenpaar tanzt traut dort auf dem Weiher
und schwebt so sanft in Frühlingsträumen, rein.

Als gebe es kein Werden und Vergehen,
erschauen wir in sehnendem Verlangen
dies‘ Liebes- Bild,die Welt frei, ohne Bangen.
Und zart erwacht ein inniges Verstehen;
der Liebe Zauber hält auch uns umfangen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Vision

Leicht wie sich Wellen auf dem Meere wiegen
mag einst auch hier des Lebens Schweben sein.
Ein sanftes Lächeln darf die Zeit besiegen,
es hin in seine Ewigkeit befrein.

Da wird nicht mehr als Maß herangezogen,
das Fragen nach dem Ende, noch Beginn.
Es schwingen ein und aus die großen Wogen,
verweben Liebe, Seele, Licht und Sinn.

Wir können dann vielleicht in Klarheit schauen,
was sich erneuernd in sich selbst verbirgt
und jener Gnade, Güte ganz vertrauen,
die stetig schenkend Leben hier bewirkt.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Erkenntnis

Von Fernweh trunken in den Jugendjahren,
zog’s mich hinaus in eine fremde Welt.
Ich glaubte, nur so könnte ich erfahren,
erkennen meinen Weg im Wandelbaren,
was mich im Leben wach und wissend hält.

Es wuchs die Demut wohl; ich durfte schauen,
wie Gottes Schöpfung ist in Vielfalt schön
und lernte, ein Gesicht zu lesen, trauen
nicht jener Scheinwelt, wo die eitlen Pfauen
so selbstverliebt in Spiegeln sich besehn.

Doch weiß ich heute wohl, nicht nur die Ferne
ermöglicht der Erkenntnis klaren Blick.
Im Kleinen auch wirkt Zauberglanz der Sterne;
er ist so nah und weist den Pfad dir gerne
zu jenem lichten, uns geschenkten Glück.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Mittagspause im Rosenhag

Blutrote Rosen blicken hier ins Licht,
ihr Blütenantlitz zart, entfaltet kaum;
und manche Knospe prall von Sehnsucht spricht
nach Leben, Liebe, lindem Blumentraum.

Die Bienen summen, kommen hier herbei,
sich an des Nektars Süße zu berauschen.
Auch Schmetterlinge tändeln dort, als sei
es möglich, ihrem Rosenlied zu lauschen.

Betörend strömen lieblich‘ reine Düfte,
erquickend hier im warmen Sonnenlicht,
bereichern Frühlings milde, weiche Lüfte,
und nasenselig träum‘ ich, fern der Pflicht.

Lass sanft mich in ein Zauberreich entführen,
um Rosen gleich dies‘ Leben zu erspüren.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Lobgesang

Lasst uns den Herren preisen
und dankbar uns erweisen
auf dieser schönen Welt!
In seinem Schöpfungs-Kreise
schenkt er des Lebens Reise,
die uns im Licht gefällt.

Er lässt hier Sonne,Regen,
die Frucht nach Blüten-Segen
und Ruh der Sternen-Nacht
uns Menschen angedeihen
in gütigem Verzeihen.
Sein Engel uns bewacht.

In Demut ihn zu ehren,
uns liebend zu bewähren,
wie Jesus uns verhieß,
so wollen wir hier hegen,
in seinem Namen pflegen
dies‘ irdisch‘ Paradies!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Wunsch

Den Morgengruß der Sonne
froh erwidern,
im Einklang mit den Liedern,
die die Vögel singen,
bevor sie,
sanft entfalten ihr Gefieder,
auf leichten Schwingen
in die Lüfte dringen.

So wie die Möwe
auf der Welle schwebt,
um gleich darauf
in Höhen aufzusteigen,
so möchte ich,
wenn sich die Tage neigen,
dem Licht entgegensehen,
das im Geiste lebt.

© Ingrid Herta Drewing, 2008

Der Duft der Rose

Der Rose Hauch erfüllt die Luft
in diesem kleinen Raum,
verschenkend ihren milden Duft.

Ein lieblich‘ Lied,das sanft erblüht,
ein Gruß aus jenem Traum,
der nächtens in den Sternen glüht.

Und sehnend in die Seele zieht
des Lebens Freuden- Flaum,
der Graues rosig flieht.

Hier herzt uns zärtlich die Natur;
und leis‘, man merkt es kaum,
schickt sie uns auf des Frühlings Spur,
zu unsrem Rosenbaum.

© Ingrid Herta Drewing,2014