Archive for the Category Winter

 
 

Schönes Winterbild

Noch lesen wir des Winters Spuren,
in Nächten manchmal bitterkalt.
Der Raureif liegt auf Wiesen, Wald,
und Schlaf beherrscht die Sonnenuhren;
der Nebel löscht des Tags Gestalt.

Doch wenn einmal die Sonne scheint,
dann lädt ein Lächeln ein, zu träumen,
und silbern flüstert ’s in den Bäumen,
den Büschen, filigran; man meint,
weit weg zu sein von grauen Räumen.

Als lägen Sterne, Diamanten
auf Halmen, Zweigen; helles Licht,
ein himmlisch’ Blau von Hoffnung spricht.
Dies’ Winterbild, das wohlbekannte,
entlohnt für Trübsal und Verzicht.

© Ingrid Herta Drewing

Schläfrige Frau Holle

Ein Spätherbst lässt hier Winter missen,
er fröstelt, hat im Januar
kein Flockenbettchen mehr zerschlissen;
Frau Holle schläft bis Februar.

Wenn alle schon vom Frühling träumen,
das Leben prall in Knospen schwillt,
beginnt sie, ihr Haus aufzuräumen;
zur Erde stieben Flocken wild.

Die Menschen, die zur Fastnachtszeit
sich auf den Straßen lustig tummeln,
sie werden sich im Narrenkleid
noch zusätzlich in Pelz vermummen.

Bis zum April liegt dann der Schnee,
und zwischendurch wird ’s auch mal tauen.
Die Frühblüher aus weißem Weh
mit ihren zarten Köpfchen schauen.

Vielleicht ist auch an Frühlings Statt
des Sommers Wärme schon zur Stelle?
Im Klimawandel Holle hat
verwischt der Jahreszeiten Schwelle.

© Ingrid Herta Drewing

Winterausverkauf

Auf einer Wolkenbank sitzt blass die Sonne.
Sie blickt dort müde aus dem Einheitsgrau
der Wolken; doch sie scheint dem nun entronnen
für kurze Zeit zu lichter Erdenschau.

Hier liegt kein Schnee, der weiß in ihrem Strahlen
zum Winterzauber ruft das stille Land.
Seit Wochen hat des Regens feuchtes Prahlen
die Felder nun als See und Sumpf benannt.

Und in der Stadt sind blank gewischt die Steige,
recht flüssig nimmt Verkehr auch seinen Lauf.
Nur Kinder hier wohl noch zum Schneewunsch neigen.
In Läden herrscht schon Winterschlussverkauf.

Den Lenz erwartend räumt man ’s Lager frei,
und zeigt im Fenster Frühlings Konterfei.

© Ingrid Herta Drewing

Verrückter Januar in Wiesbaden

In meinem Leben noch nie war
Gewitter hier im Januar,
dazu ein sanfter Frühlingsregen.

Die Wiesen Gänseblümchen hegen,
auch dort im Park, im stillen Hag
die Rose rot noch blühen mag.

Und Vögel, die zu Haus’ geblieben,
hell singend in den Bäumen stieben,
sich zwitschernd schon im Nestbau üben.

Ich fänd‘ das schön und säh’s beglückt,
wär‘ nicht die Jahreszeit ver- rückt.

© Ingrid Herta Drewing

Weiße Nächte

Die Nächte tragen weiße Kleider,
und Mondlicht färbt sie silbern ein
inmitten heller Sterne Schein.
Ihr Schneegewand glänzt, ohne Neider
umhüllt ’s die Erde zärtlich, rein.

In solchen Nächten liegt ein Schweigen
fast gütig auf der lauten Welt,
die täglich lärmend jagt nach Geld.
Jedoch nun scheint ihr Friede eigen,
darf himmlisch träumen, sanft erhellt.

© Ingrid Herta Drewing

Schneesturm

Schnee stob, des Winters kalter Hauch, der Frost,
legte schon Raureif auf die Gräser, Zweige.
Dazu ein Sturm blies heftig aus Nord-Ost,
und von der nassen, weißen Last erfasst,
begannen Bäume sich bedrückt zu beugen.

Und plötzlich schien der Zauber mir verflogen,
die Schönheit, die ich sah in weißer Pracht,
denn hart und feindlich spannte er den Bogen,
dem Leben war er keineswegs gewogen,
der Winter, der hier zeigte seine Macht.

Ich fand das warme Feuer, ein Zuhause,
wir Menschen wissen ja, wie wir uns schützen.
Doch die Natur, das zarte Leben draußen,
muss zittern, vielleicht sterben in dem Brausen,
wenn hier ein Blizzard wirft die Speeresspitzen.

Ist er vorbei, liegt friedlich da die Welt,
im Unschuldsweiß glänzt dann die Winterbühne.
Des Himmels Blau, von Sonnengold erhellt,
der strahlend schöne Tag wirkt, wie bestellt;
nur noch der Windbruch trübt die frohe Miene.

Ingrid Herta Drewing

Grüne Weihnacht

Auch grüne Weihnacht birgt wohl Freude.
Der Schneeräumdienst, der hat nun frei.
Kein Mensch rutscht aus auf Glatteis heute,
und der Verkehr läuft einwandfrei.

Das Lied lässt von White Christmas träumen,
jetzt darf man länger schlafen, gerne,
muss nicht schon früh die Steige räumen.
Doch ich vermiss’ die weißen Sterne.

© Ingrid Herta Drewing

Wintersonnenwende

Wie viele Winter habe ich gesehen,
mit wachem Auge tief erschaut,
und viele Bilder mir wie Schnee verwehen,
Erinnerungen, aufgestaut.

Doch einen Winter werd‘ ich nie vergessen,
das war, als du, mein Schneemann, mich geküsst.
Es schien mir zunächst frech, ja fast vermessen;
dann war mir so, als ob ich träumen müsst.

Wir hatten rote Wangen, kalte Hände,
doch unsre Herzen klopften heiß.
Im Augen – Blick der Wintersonnenwende
schmolz hin in Liebe alles Eis.

© Ingrid Herta Drewing

Wintertraum

Es rieselt Schnee, bedeckt die Wunden,
die wir der Erde zugefügt,
die braunen Furchen, tief gepflügt.
In himmlisch weißen Sternenstunden
sie sanft in Winters Stille liegt.

Als hätten Engel ihr aus Träumen
ein lindes, weißes Tuch gewebt,
den Schleier, der sie licht umschwebt,
ihr Leben zärtlich zu umsäumen,
bis es im Frühling neu erbebt.

© Ingrid Herta Drewing

Winterpause

Einstweilen hat der Winter sich verkrochen.
Der Regen hat den Schnee bald weggespült.
Zwei Tage war im Brautkleid, schon versprochen,
die Erde; doch dann ward der Bund gebrochen.
Der Tauwind kam, wir haben ihn gefühlt.

Der stolze Schneemann in dem kleinen Garten,
ihn hatten Kinder liebevoll gebaut,
er sollte glanzvoll auf das Christfest warten,
trug einen Tannenzweig, schön als Standarte;
nun schmilzt er hin, ist fast schon weggetaut.

Und von den Dächern tropft es, rutscht der Schnee,
den wir zur Weihnacht hätten gern behalten
im Mondlicht glänzend, Zauber aus der Höh’.
Nun meldet sich hier kühl die Nebelfee,
in grauen Schleiern ihren Tanz gestaltend.

© Ingrid Herta Drewing