Lagerfeuer-Romantik 1958

INi, Baltrum

Feuer lodert, Funken stieben
in die dunkelblaue Nacht;
die am Lagerfeuer blieben,
singen leise, halten Wacht.

Unter Sternen träumend lauschen,
in der lauen Sommerluft
hören wir die Wipfel rauschen
und der Waldkauz dunkel ruft.

Fühlen innig uns verbunden
der Natur in Feld und Wald,
haben unser Glück gefunden;
Schlaf besiegt uns nicht so bald

Bis die Morgennebel fliehen,
sitzen wir beim Feuerschein,
sehn das letzte Scheit verglühen,
und nun lädt der See uns ein.

Hier im Sonnengold wir schwimmen,
das sich spiegelt hell im See.
Jugendfreude froher Stimmen
hallt als Echo in die Höh‘.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

November

Krähenbaum_o

Tief dringt das Dunkel jetzt schon in die Tage,
die kaum erwachen aus des Nebels Grau,
stimmt an ein Lied in Moll als Trauerklage,
als ob Natur nun traurig Abschied sage
den kahlen Bäumen und dem Wiesentau.

Jüngst zogen auch die Kraniche nach Süden.
Ich sah ihr Siegeszeichen, ihren Flug,
als letzten Gruß an die, die hier geblieben,
wie sie’s, laut rufend, in den Himmel schrieben,
hoch in den Lüften Hunderte im Zug.

Wohl möchte mancher gern mit ihnen ziehen.
Jedoch wir trotzen dem Novemberleid
und bleiben, werden nicht die Heimat fliehen.
Denn bald wird, was jetzt trübe, neu erblühen,
wenn in der Sonne glänzt des Raureifs Kleid.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Herbstgruß

Version 5

Parkhausfassade
Herbsttages Spiegelgesicht,
himmlische Wellen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Parkhaus am Kurpark

Abend

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Es brennt der Himmel.
Leise klingt der Abend aus
über den Wipfeln.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Freude am Dichten

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Wie hab ich’s gut,
ich bin nur Amateur
und dichte vor mich hin,
weil ich es liebe.

Der Worte Flut,
der innren Stimme hör‘
ich zu, seh‘ Bild und Sinn
im Klanggetriebe.

Mir macht es Mut
und mildert manch Malheur,
ich dichte und ich bin,
ob’s auch beliebe.

In sichrer Hut
treibt mich mehr Wunsch als Pflicht,
zu bilden einst einmal,
dies einzige Gedicht,
das Kunst verspricht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Herbstnebel

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Der Regen ruht, doch Nebel steigen
und hüllen ein das Land, den See,
wo sich nun graues, müdes Schweigen
die feuchte Stille macht zu eigen,
den Blick versperrt in Licht und Höh‘.

Siehst vor dir fast nur Nebelwände,
und weißt fast nimmer ein noch aus,
so steil und steinig das Gelände,
du hoffst, dass sich ein Ausweg fände,
der dich doch sicher führt nach Haus.

Erreichst dein Heim, bald tanzen Flammen,
und Wärme strömt aus dem Kamin.
Dort seid, geborgen, ihr zusammen.
Wer mag da noch den Herbst verdammen,
der draußen lässt den Nebel zieh’n?

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Über allerlei Graus

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Schnell schau ich weg, wenn’s schaurig wird,
Vampir, Werwolfgeschichten,
die gruslig, kühl belichten
ein Leben, das in Blut ertrinkt,
wenn Mord und Tod im Dunkel winkt,
das will mir nicht behagen,
trotz Spannung, ein Verzagen.
Das Bild mir sonst im Kopfe schwirrt.

Bei Sagen sieht es anders aus,
da irren Arme Seelen,
ihr Unheil zu enthehlen
als Geister numinoser Macht,
um ihre ew’ge Ruh gebracht,
die als Gespenst umgehen
und um Erlösung flehen
in Feld und Wald, in Turm und Haus.

Im Märchen geht’s ja meist gut aus.
Da gibt’s noch ein Erlösen
der Guten von dem Bösen.
Als Kind las ich „ Gevatter Tod“,
litt mit dem Helden in der Not,
sein Lebenslicht zu retten.
Den Tod ganz abzuketten
misslang, es losch sein Licht auch aus.

Profan liest Wahres man heraus:
Der Tod wird uns erreichen,
was lebt, muss einmal weichen.
Egal, ob arm wir oder reich,
der Tod macht alles schlicht und gleich.
Die Furcht, sie gilt dem Sterben,
in Schmerzen zu verderben.
Man hofft, man fühl‘ nicht solch‘ Garaus.

Vielleicht ist diese Furcht der Grund,
dass wir dem Grusel frönen,
an Horror uns gewöhnen,
da man beim Lesen ihn bezwingt,
weil er fiktiv nur zu uns dringt.
„Katharsis“, Griechen sagten,
wenn Schicksal sie beklagten,
beim Kultus im Theaterrund.

Vielleicht auch ahnen wir,begrenzt,
dass Mystisches hier wäre,
Geheimnisse erkläre,
die spielen hier in unsre Welt,
wo vieles uns den Blick verstellt.
Im Trüben wir oft fischen
und Tag und Traum vermischen,
erwarten, dass das Leben glänzt.

© Ingrid Herta Drewing

Herbstmärchen

Version 3

Hier lässt der Herbst das alte Haus erstrahlen,
er färbte der Fassade grüne Zier
des Wilden Weines durch sein rotes Malen.
Nun steht es, weithin leuchtend, im Revier.

Der Blick vom Nerotal aus schenkt die Bühne,
auf welcher es erwacht als Märchenschloss,
und Phantasie erzählt die rätselkühne
Geschicht‘ der Zauberfee auf goldnem Ross

Ich weiß, was hier erscheint als Augenweide,
zeigt diese Darbietung nur kurze Zeit,
dann rauben wilde Stürme sein Geschmeide
und Nebel hüllt es ein mit grauem Kleid.

So halte ich es fest, dies schöne Bild,
das mich an diesen Tag erinnert mild.

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing,2017

Geburtstagsgruß für Ruscha

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Wie damals, als du kamst zur Welt,
erfreut der Herbst mit warmen Farben,
als sei die Pracht für dich bestellt,
dies Leuchten, das den Tag erhellt,
ein Lächeln, das lässt keinen darben.

Du warst und bist ein Sonnenschein,
hilfst, wo du kannst, mit guten Taten,
setzt mutig dich für andre ein,
lässt auch die Fünf mal grade sein,
wenn es die Menschlichkeit geraten.

Mein liebes, großes Ruschakind,
wirst heute neunundvierzig Jahre.
Es flog dahin die Zeit wie Wind,
auch deine Kinder groß schon sind,
das hast du, stolz auf sie, erfahren.

Ich wünsch dir weiterhin viel Glück,
vor allem aber Gottes Segen.
Er lenke gütig dein Geschick,
rücke dir Freude in den Blick,
behüte dich auf allen Wegen!

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing

Ein Märchen

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„Ach,Omi, bitte,nur ein Märchen,
erzähle,eins,dann geb‘ ich Ruh‘!“,
so bettelt inständig klein Klärchen,
„ vielleicht von Sternen? Ich hör zu.“

FALSCHER STERN

Es trug sich zu vor vielen langen Jahren,
dass dort in einem fernen, fremden Land
die Menschen trugen Sterne in den Haaren,
die man aus feinem Gold in Flechten band.

Zunächst war’s schöner Brauch, dann ward’s Gesetz,
und keiner konnte unbesternt bestehen.
Es hieß, wer dieses Sterngesetz verletz‘
sollt‘ einer schweren Strafe nicht entgehen.

Der Juweliere Arbeit wuchs; zu tun
hatten natürlich, reich an Zahl, Frisöre.
Sogar den Kinderschopf versah man nun
mit kleinen Sternchen, schmückte jede Göre.

Zwar gab’s in diesem Lande wohl auch Glatzen;
jedoch sah man sie noch besternt bei Nacht,
bedeckt mit Gold die haarigen Matratzen,
Perücken, die aus Mädchenhaar gemacht.

Sogar der König, munkelte man dunkel,
sei ziemlich haarlos unter dem Toupet,
das, Edelstein bespickt, als Lichtgefunkel
er trug im Sternenglanz der edlen Höh‘.

Wo so viel Reichtum glänzt, gibt es auch Arme.
So war es leider auch in diesem Land,
wo Gier und Dünkel fremd der Satz: „Erbarme
dich dem, der glücklos neben dir sich fand!“

Dem Prassen, ganz der Eitelkeit ergeben,
sich richtend in Bequemlichkeit fein ein,
versorgt von armer Sklaven Kraft dies Leben,
das sich gefiel im Parasitensein.

Tief in des Stollens trübem Licht der Minen
trieb man zur Arbeit an Mann, Weib und Kind.
Ihr Leben, das die Sonne kaum beschienen,
verging im Joch der Qualen wie im Wind.

Die Wächter, Roboter, den Nachschub suchten,
auf Straßen fingen Unbesternte ein,
und wenn auch die, gefangen, klagten, fluchten,
war’s ihnen gleich, das Soll erfüllt musst‘ sein.

So kam es, dass ein Fang betraf den Prinzen,
der aus dem Schloss geschlichen unbedacht,
verkleidet, fern dem Hofe wollte linsen,
was das gemeine Volk wohl täglich macht.

Er wehrte sich, man ließ ihn nicht entrinnen,
die Wächter sahen bei ihm keinen Stern,
und eh‘ er sich vermochte zu besinnen,
war nun des Königs Sohn versklavt, ihm fern.

Im Lager fand er seinen Hochmut wieder,
befahl:“ Kniet nieder, ich bin Königs Sohn!“
Doch man versagte ihm Gefolgschaft, bieder,
verschmähte ihn mit Worten voller Hohn!

„Habt ihr’s gehört, die Majestät, der Junge,
spielt jetzt mit uns sogar noch König:Knecht!
Los an die Arbeit, hüte deine Zunge,
wer hier nicht spurt, dem geht es furchtbar schlecht!

Wir halten’s deiner Jugend noch zu Gute,
ansonsten ahnden wir solch schlechten Scherz.
Ob du von Adel oder andrem Blute,
ist uns egal, uns alle frisst der Schmerz.“

Da konnte er sehr bald bewusst ermessen,
dass solches Dasein führt zu frühem Tod,
nur faules Wasser, schimmlig‘ Brot als Essen,
die Arbeit mühsam, täglich Pein und Not.

Nun könnte mancher vorschnell leicht vermuten,
dass diesem Prinzen wurde hart der Sinn,
er Böses plante, sah nicht auf die Guten,
die mit ihm zogen zu den Minen hin.

Jedoch er lernte, traf den Leidgenossen,
den einen Freund, der tapfer zu ihm stand,
sodass er überlebte, unverdrossen,
obwohl solch Sklavenlos ihm unbekannt.

Und als dann eines Tag’s ein schlagend Wetter
dort explodierte, alles setzt in Brand
erwies auch er sich als des Freundes Retter,
den er verschüttet unter Steinen fand.

Er barg ihn sanft, trug ihn hinaus ins Freie
und legte, pflegte ihn, ein Baum ihr Dach;
dann schlief auch er ein, bis ihn ein Geschreie
von Rabenkrähen rief so seltsam wach:

„Gut bist du, Prinz, du solltest König werden,
damit in diesem Reich vorbei die Not,
von Dummheit, Gier und Hochmut hier auf Erden
kein Leben eines Wesens sei bedroht!“

Und eine Elster, die sich zugesellte,
nun keckerte mit magisch‘ süßer Stimm‘:
„ Hier ist dein Stern, den ich mir flugs bestellte,
steck‘ ihn dir an, beeile dich,komm‘, nimm‘!“

Als dann der Sonne Strahl ihn wärmte, weckte,
war auch des Freundes Blick schon wieder klar,
sodass er jenen Königsstern entdeckte.
Der Prinz erkannte, dass sein Traum war wahr.

Nun ging’s zum Schloss; dort wehten Trauerfahnen,
tiefschwarz verkündeten sie den Verlust
des Kronprinzen, denn niemand konnte ahnen,
dass dieser in den Minen fristen musst‘.

Doch als der König wiederfand den Sohn,
die Königin ihn drückte an ihr Herz,
erklärte dieser, dass des Goldes Lohn
verursachte sein Missgeschick, den Schmerz.

„ Mein Vater“, sprach er, „statt des Goldes Glanz,
das mühsam in den Minen wird gewonnen,
missachtend andrer Menschen Leben ganz,
hab ich mich eines Besseren besonnen.

Ich bitte Euch, lasst uns natürlich leben,
wir brauchen nicht den Pomp und falschen Schein,
denn dieses Reich sei reich durch gutes Geben,
das keinen lässt im Sklavendienste sein!

Auch jene Roboter, die stumpf in dumpfem Sinn
zum Drangsalieren normativ gedacht,
lass‘ programmieren um und send‘ sie hin
zu hüten sorgsam Schafe Tag und Nacht!

Nie sollt‘ es mehr in unsrem Lande sein,
dass böse Ansicht wuchert, und was schlecht
sogar in ein Gesetz mag fließen ein,
nie mehr missachte man das Menschenrecht!“

Und, Omi, hat der König das getan?
Lebte der Freund des Prinzen nun im Schloss?

So ganz genau, vermag ich’s nicht zu sagen,
jedoch erschien der Prinz mir voller Mut.
Ich glaube, auch sein Freund musste nicht klagen,
denn meistens enden alle Märchen gut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017