Das Schöne

Das Schöne, gleicht ’s dem Leben?
In Macht und Kraft wohl auch,
ist mehr als Nutz’ und Brauch;
doch in den Tod gegeben,
nur flüchtig, zarter Hauch?

Das Schöne überdauert.
Es bleibt in Wort und Bild,
Musik, im Lächeln mild;
ein Klang, der uns erschauert,
dem unser Sehnen gilt.

© Ingrid Herta Drewing

Mittagspause im Rosenhag

Blutrote Rosen blicken hier ins Licht,
ihr Blütenantlitz zart, entfaltet kaum;
und manche Knospe prall von Sehnsucht spricht
nach Leben, Liebe, lindem Blumentraum.

Die Bienen summen, kommen hier herbei,
sich an des Nektars Süße zu berauschen.
Auch Schmetterlinge tändeln dort, als sei
es möglich, ihrem Rosenlied zu lauschen.

Betörend strömen lieblich‘ reine Düfte,
erquickend hier im warmen Sonnenlicht,
bereichern Frühlings milde, weiche Lüfte,
und nasenselig träum‘ ich, fern der Pflicht.

Lass sanft mich in ein Zauberreich entführen,
um Rosen gleich dies‘ Leben zu erspüren.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Quo vadis?

Wir sind doch noch Schamanen,
beschwören Tier und Beute,
tanzen für Land und Leute,
wie einstmals unsre Ahnen.

Wir sind noch immer Blinde
im Hirn und auch im Herz,
verfallen dem Kommerz
und Marketing-Gebinde.

Noch immer Brot und Spiele,
Marktschreier im Gewühle,
und alles lacht.

Ob wir den Weg noch sehen,
ob wir den Weg dann gehen
aus dieser Nacht?

© Ingrid Herta Drewing,2008

Memento Mori

Sei bei den Lebenden,
bereit, ihnen Liebe zu schenken!
Sei bei den Gebenden,
so magst du der Toten gedenken!
Bedenke bei allem Streben:
Schön, aber kurz ist dein Leben!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Blüten-Lächeln

Endlich wieder
helle Lieder!
Es schwingen die Lüfte,
die lieblichen Düfte
so lind im Wind!

Im Rosenhag
lächelt der Tag.
Er birgt leise, zart,
in träumender Art
das Leben
im Blüten- Gefieder.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Lebenspfad

Auch dir schien wohl zunächst der Pfad verschlungen,
sahst in der Wildnis kaum noch einen Weg,
und auch der Vögel Lied, das dort erklungen,
verstummte dann am Wildbach ohne Steg.

Da warst du schier schon ratlos, rangst die Hände,
und ein Gebet sich aus dem Herzen stahl,
du schöpftest Mut, durchquertest das Gelände,
sahst dann vom hohen Berg hinab ins Tal.

Pfadfinderin warst du; vergangner Zeiten
Erfahrung wirken nach in Lebens Lauf.
Die gute Tat will dich noch immer leiten,
dein Glaube schenkt dir Kraft, gibst niemals auf.

Auch wenn sich neigt dem Ende zu dein Leben,
wirst du getrost den Blick zum Licht erheben.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Lobgesang

Lasst uns den Herren preisen
und dankbar uns erweisen
auf dieser schönen Welt!
In seinem Schöpfungs-Kreise
schenkt er des Lebens Reise,
die uns im Licht gefällt.

Er lässt hier Sonne,Regen,
die Frucht nach Blüten-Segen
und Ruh der Sternen-Nacht
uns Menschen angedeihen
in gütigem Verzeihen.
Sein Engel uns bewacht.

In Demut ihn zu ehren,
uns liebend zu bewähren,
wie Jesus uns verhieß,
so wollen wir hier hegen,
in seinem Namen pflegen
dies‘ irdisch‘ Paradies!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Hoffnung

Ja, als auch dort der letzte Ton verstummte,
das Leben mit dem Tag die Segel strich,
ein dichter Nebel Strand und Meer vermummte
und die Kontur fast ganz im Grau verblich,
da spürt‘ ich doch die Hand, die meine hielt,
hab ‚ deine Nähe innig noch gefühlt.

Durft‘ finden mich in deinem Haus geborgen,
wohin du mich, im Nebel blind, geführt.
Ich ahnte, dass mir hier an einem Morgen
mein Leben wieder neu im Licht gebiert.
Nun höre ich die sanfte Melodie;
sie schenkt mir Hoffnung,Frieden,Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Geborgen

Du birgst mich sanft in deinen Armen,
gewährst mir Trost in aller Not.
Dein Wort, so wichtig wie das Brot,
vertreibt die Kälte, schenkt im Warmen
mir lächelnd Liebe, lind Erbarmen
und Hoffnung, neues Morgenrot.

Da schwingen in den Lüften Klänge,
so hell erwacht des Frühlings Lied,
das froh ermuntert mein Gemüt,
befreit aus Trübsal, grauer Enge.
Andächtig lausch‘ ich Licht-Gesängen
und fühl, wie Leben neu erblüht.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Da sein

Du trägst schon lange jenes Joch der Jahre,
bist aber hier zum Abschied nicht bereit
und trotzt dem Ruf der grauen Norne Zeit.
Noch sprudelt aus der Quelle dir dies klare
und frische Wasser, das den Geist befreit.

So lässt im Lenz du dich vom Licht beglücken.
Die Sonne steigt und schenkt den Blüten Raum,
auch dir erwacht des Frühlings heller Traum.
Ein sanfter Regen netzt die grünen Brücken,
und Vögel singen in des Lebens Baum.

Da schwindet, was nach Dunkel ruft; die Nacht
hält licht den Sternenmantel ausgebreitet;
ein Engel, scheint es, still vorüber schreitet.
Und deines Daseins Stimme, neu erwacht,
dankt ihrem Schöpfer, der das Leben leitet.

© Ingrid Herta Drewing,2014