Winternebel

Verschlafen liegt die Stadt,
und alle Tage
im Nebel dösen so dahin.
Was sonst geleuchtet hat
als Lustansage,
zeigt hier nur einen müden Sinn.

Dir fehlt der Sonne Licht,
ihr goldnes Scheinen,
die klare, frische Winterluft.
Der Smog, der manchmal dicht,
wehrt allem Reinen
und treibt das Leben in die Gruft.

Da rufst du nach dem Wind
und wilden Stürmen,
auf dass ihr Wirbeln Klarheit bring‘,
willst, dass nicht weiter blind
sich Wolken türmen.
Das Licht in blauer Weite schwing‘ !

© Ingrid Herta Drewing,2014

Geburtstags-Akrostichon

M aike, Liebes, Du sollst heut‘
A m Geburtstag hoch, hoch leben!
I nnig wünsch‘ ich Dir viel Freud‘,
K uchen wird es auch wohl geben.
E inen bunten Blumenstrauß
S chick‘ ich virtuell ins Haus.

G lück sei stets auf Deiner Seite,
E ine Welt in Harmonie!
B leib‘ gesund im Lauf der Zeiten
U nd lass‘ von Humor Dich leiten,
R uhe, Muße, Phantasie !
T age hell im Sonnenschein
S eien häufig Dir gegeben,
T reue, Liebe, Lust im Leben!
A lles Gute wünsch‘ ich Dir,
G eburtstagskind, das glaube mir!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Drei Varianten

zur Wortvorgabe:Amour, Feuerwerk,rosa,Ohr,Wort

1. Traum

Dies‘ Feuerwerk! Oh, mon amour!
Wir kannten beide keine Uhr.

Der Morgenröte rosa Wort,
ein zärtlich Flüstern klingt in meinen Träumen,
erreicht mein Ohr;ich möcht‘ den Tag versäumen,
verweilen hier im Liebes-Hort.

2.Guter Rat

So mancher, der dies‘ Feuerwerk Amour
besang mit rosafarb’nen Fügelworten,
fand bald sich wieder auf der falschen Spur
an fremden,aschefahlen,öden Orten.
Drum hüte wohl,was sie dir flüstert in dein Ohr,
bewahre ihr Geheimnis, sei kein tumber Tor!

3.Korb

Wo ist das Feuerwerk
einer Amour fou?
Rosafarben
treffen deine Süßholzworte
auf taube Ohren.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Winter

Kalt über Felder, weiße Weite
kriecht Winterluft; der Nebel flicht
dem Schnee bedeckten Baumgeleite
milchgraue Schleier ins Gesicht.

Tief reicht des Frostes spröde Stille.
Nur hin und wieder in den Zweigen
stört einer schwarzen Krähe Wille
aufflatternd dieses müde Schweigen.

Zart rieselt dann ein Glitzerregen
herab für einen Augenblick.
Ein Sternenflüstern scheint zugegen,
gewährt dir kurz ein kleines Glück.

© Ingrid Herta Drewing

Zeichensetzung

Zwei Sätze, ungebunden,
die hatten sich gefunden.

Es wurde hin und hergefunkt,
doch dabei störte sehr der Punkt.

Und auch das Komma, wie man sah,
war ihnen nicht willkommen da .

Jedoch wollten die Zeichen
von ihrem Platz nicht weichen.

Sie fanden sich als Brücke,
und schlossen so die Lücke.

Einigkeit hat ihren Lohn,
sie grüßten als Semikolon.

© Ingrid Herta Drewing

Dichten

Ich sondre Worte ab wie Seim,
der süß in Honigwaben quillt,
und geh‘ mir träumend auf den Leim,
dass sich mit Sinn mein Dasein füllt.

Folg‘ süchtelnd dieser zarten Stimme,
die mir die Klänge flüstert ein,
den Nektar suchend‘,wortend‘ Imme
flieg‘ ich und tauch‘ ins Blühen ein.

Im Zauberbann der Poesie,
da Verse tanzen hin zum Reim,
hör‘ ich des Lebens Melodie
und finde dichtend mein Daheim.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Fastnachtszeit

Schon feiern sie die fünfte Jahreszeit.
Der Sitzungskarneval ist voll im Schwange,
und in der Bütt im bunten Narrenkleid
entlarvt satirisch man mit Witz‘ ohn Bangen,
was es an Missständ‘ gibt, schon ärgert lange,
was sich so ändern sollt‘ bei Land und Leut‘.

Da ziehen Narren lärmend durch die Straßen.
Sie,die sonst tarnen sich als brav und bieder,
vergessen enge Grenzen, Bürgermaße.
Fast hemmungslos spielt man ver-rückt nun wieder
und singt weinselig alte Fastnachtslieder,
die viele schon vor langer Zeit vergaßen.

Und Timo streift der Mut, die Maskerade
lässt ihn nun Held, Latino, Zorro sein.
Kühn springt er über eine Balustrade,
verstaucht den Knöchel sich am rechten Bein,
ruft:“ Senorita,kommt, der Tanz ist mein!“
Sie lässt ihn stehen, meint:“Ja, Senior, schade!“

Den Trost beschert ihm eine Krankenschwester;
sie kühlt den Knöchel ihm beherzt mit Eis,
und er erkennt sie, Helga, die Sylvester
ihm schon lieb zugetan im kleinen Kreis
beim Feiern im Hotel auf einer Reis‘,
und hofft, dass sie sagt:“ Ja, komm mit, mein Bester!“

Die Kinder, kostümiert hier in den Gassen,
sie fühlen sich im Reich der Phantasie,
woll’n sich beim Zug den Spaß nicht trüben lassen,
vertieft in ihre Rolle sind auch sie,
da mag der Schnee gar reichen bis zum Knie,
sie werden schnell die Bonbons fangen, fassen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Geheimnis

Keine Regel
erlaubt dir
die Ordnung
eines Bildes.

Noch immer
junger Morgen,
Liebe,
verborgene
Augenblicke.

Licht im Nebel
auf den
steinigen Pfaden
vom Ich zum Du.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Winterlicht

Im Nebelbett schläft noch das Land.
Ein dunkler Wintermorgen lässt es länger träumen.
Es schenkt der Raureif ihm sein Pfand.
Dort, wo kein Vogel singt,
kein Eichhörnchen jetzt springt,
bemalt er fröstelnd Bäume.

Im hellen Sonnenglanz erwacht,
als Zaubermärchen grüßen dich nun die Gefilde
in filigraner, weißer Pracht.
Ein Funkeln leuchtend spricht,
und lächelnd hier im Licht
erlebst du Winters Milde.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Schöner Wintertag

Ein sonnenwahrer Wintertag,
die Luft so frisch und klar!
Vorbei die graue Nebel-Plag‘
mit allem müden Unbehag‘,
der Wolken dunkle Schar!

So lob ich mir des Winters Zeit,
da macht mir Frost nichts aus:
Nur blauer Himmel, licht und weit!
Früh morgens bin ich schon bereit,
geh‘ munter aus dem Haus.

Beweg‘ mich froh im hellen Licht,
so sorgenfrei mein Sinn;
und vieles, sei’s auch schwere Pflicht,
trübt mir die gute Laune nicht,
nehm’s nun gelassen hin.

© Ingrid Herta Drewing,2014