Marionetten-Theater

Sie blicken sich an,
doch sie sehen sich nicht,
eine eitle Maske
verbirgt ihr Gesicht.

Sie hören den Klang,
doch verstehen sich nicht,
hinter leeren Worten
verstecken sie sich.

Sie reichen die Hand,
doch sie fühlen nicht,
wie Marionetten
im Rampenlicht.

An Fäden gefesselt,
gelenkt ihr Schritt,
spielen und tanzen
im Takte sie mit.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Im Winternebel

Kühl sind die Tage, und die Nebel halten
die Stadt gefangen und den Atem an.
Ich möcht’ den Vorhang weit aufreißen, walten
dass endlich Sonne man erblicken kann.

Zwar können wir die Räume schön erhellen,
wir schaffen künstlich unser eignes Licht,
jedoch der Sonne warme Strahlenquelle
ersetzt uns dieses Scheinen dennoch nicht.

Wer sehnt sich nicht nach blauem Himmel, Weite,
nach Wärme und der hellen Sonnenglut?
Denn fern von Smog frei atmen, das bereitet
uns Wohlgefühl, tut Körper, Seele gut.

Auch ich ersehne Wetterbesserung,
damit das Sonnenlicht mich bringt in Schwung.

© Ingrid Herta Drewing

Grillensänger

Mit einer Pflanze importiert,
ist ungebeten er gekommen.
Jetzt zirpt er hier, ganz ungeniert,
hofft, dass ein Weibchen ihn vernommen.

Er weiß nicht, dass hier keine ist,
die seinen Paarungsruf will hören.
Doch mir vermag der Lockung List
die Ruhe in der Nacht zu stören.

Zu schrill ist Heimchens Sehnsuchtszirp,
sodass ich ihn nun werde fangen
und exportier’n; gedeih, verdirb!
Mag er woanders Lieb‘ erlangen.

So manchen Sängers Minnelied
trifft in der Welt auf fremde Ohren,
und es erreicht nicht das Gemüt.
Die Liebesmüh‘, sie ist verloren.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Geschenk der Musik

Wenn das Wetter grau hier dräut,
und nur Regen strömt herab,
gibt es etwas, das mich freut
und beglückt in meinem Heut‘.
Die Musik bringt mich auf Trab.

Holt mich aus dem Sorgental,
gibt mir Kraft und lässt mich singen;
Melodien ohne Zahl
mindern manche trübe Qual,
Herz und Seele dürfen schwingen.

Sehe Licht in meiner Welt,
folge froh den sanften Klängen
der Musik, die schön erhellt
uns das Dunkel, wohl gefällt
und befreit von dumpfen Zwängen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Närrischer Winter

Die Tage dösen hin im Nebelkleid.
Da mag so mancher hier den Schnee vermissen,
das klare, weiße Bild im Spiel der Zeit
und Sonnenschein, den wir zu schätzen wissen.

Stattdessen nur dies feuchte,fahle Grau;
das wahrlich ist nun keine Augenweide!
Es wächst das Sehnen nach des Himmels Blau
und Winterwetter, das bereite Freude.

Der Schlitten, der zur Weihnacht unterm Baum
verheißungsvoll die flotte Fahrt versprochen,
schläft jetzt im Keller, unerfüllt der Traum.
Der Schnee-Pakt scheint im Januar gebrochen.

Wahrscheinlich wird wohl erst zur Fastnachtszeit
der Winter närrisch schlüpfen in sein Kleid.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Friede und Freiheit

Dort, wo die Freiheit fehlt,
wird viel von ihr gesungen,
weil wir, doch wohl beseelt,
sind ganz von ihr durchdrungen.

So gilt die Sehnsucht auch
dem Frieden, der nicht ist;
mit jedem Atemhauch
in Angst wird er vermisst.

Ja frei sein und in Frieden
zu leben,ist das Ziel.
Dann können wir hienieden
auch schaffen Gutes,viel.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Am Bach

Vereist fließt der Bach.
Der Gräser Raureifspalier,
ein Funkeln im Licht.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Wetterwende

Es hat der Frost heut‘ über Nacht
viel Schönes uns genommen:
Die Zaubernuss in Blütenpracht,
zu früh war hier der Traum erwacht,
der Frühling sei gekommen.

Da hatten doch so munter schon
die Vögelchen gesungen.
Jetzt sagt der Elster keckernd‘ Droh’n,
der Krähenschwester krächzend‘ Ton,
das Lenzlied sei verklungen.

Das Bächlein, das hell glucksend klang,
fließt langsam, fast verloren.
Die Gräser sind des Raureifs Fang
und sirren mit des Windes Sang
am Teich, der zugefroren.

Ja Winter schreibt nun seine Zeit
nicht nur in den Kalender;
es fällt der Schnee, und weit und breit
trägt alles bald ein weißes Kleid,
gekappt des Frühlings Bänder.

© Ingrid Herta Drewing

Hoffnungsschimmer

Welches Lied wird es uns singen,
dieses Jahr, das nun beginnt?
Wird dein Werk dir gut gelingen,
auch Erfolg und Freude bringen?
fragst du, hoffend wie ein Kind.

Das durch’s Schlüsselloch der Pforte
schon ein süß Geheimnis sieht,
dort an weihnachtlichem Orte
lauscht,gebannt vom Märchenworte,
träumt, was Schönes ihm geschieht.

Ja, auch dich beseelt dies‘ Hoffen,
Wunderbares möge sein,
dass die Glücksfee dich getroffen,
halte deine Chancen offen,
freudvoll lad‘ ins Leben ein.

© Ingrid Herta Drewing,

Märchenbuch

Das Blütenkränzchen im gelockten Haar,
so tanzt die Märchenfee aus Zauberzeilen
des Buches; lieblich lässt sie dich verweilen
in einer Welt, wo Wunder werden wahr,
verleiht dir Elfenflügel, hinzueilen.

Sanft reicht sie dir die Hand und führt dich fort
in jenes Reich der Wünsche; die Magie
singt die geheimnisvolle Melodie,
und Bilder wachsen aus dem Lesewort,
beflügeln dich und deine Phantasie.

Du folgst dem Helden, fühlst das Drachenfeuer
und freust dich, wenn er mutig kämpfend siegt,
das Böse, das dort droht, ihm unterliegt,
die dunkle Macht der schlimmen Ungeheuer
durch Mut und List dann schließlich wird besiegt.

Erfährst die Stärken des vermeintlich Schwachen,
wie er, den seine Umwelt stets geschmäht,
die Jenseitswelt betritt und dort erspäht
das Zauberwesen, das ihm, ihn bewachend,
die Hilfe gibt, das Glück hinfort ihm sät.

Da wird aus dem Verwandeln ein Erlösen.
Was unrecht war, erzeugte großes Leid,
wird wieder gut; in hellem Strahlenkleid
darf zeigen sich, erlöst, ein menschlich’ Wesen,
von allen Ketten, Zwängen nun befreit.

Du siehst beglückt, es gibt die gute Wende,
und Aschenputtel geht nicht leer mehr aus;
der Prinz führt als Prinzessin sie nach Haus.
Sie reichen sich zum Ehebund die Hände.
Erleichterung, es nimmt ein gutes Ende.

Wie schön, so gehen alle Märchen aus!

© Ingrid Herta Drewing,