Kurzer Traum

Zärtlich klingt ein Lied,  und leise
summ ich seine Melodie,
eine wundersame Weise
singt von Glück und Harmonie.

Fliederfarben will’s sich färben,
diese Milde,  lieblich, traut,
ein Tenor im Liebeswerben,
Töne schmelzend, ohrvertraut.

Doch dann dröhnen wilde Bässe,
und der zarte, kurze Traum
löst sich auf in grauer Blässe,
bis er stirbt im stummen Raum.

© Ingrid Herta Drewing

Vorfrühlingsstimmung

Genug gehastet!
Immer dieses Eilen,

jetzt wird gerastet!

Hier lasst uns verweilen,
in dieser herrlichen Natur!
Blau schirmt der Himmel Wald und Flur,
und Frühling schreibt
uns sanft die ersten Zeilen.

Da grüßt die Zaubernuss
im Blütenkleide.

Der Sonne warmer Kuss
weckt in den Weiden
Samtkätzchen, die sich wohlig strecken,

zum Lichte Silberköpfchen recken.
Des Winters Zeit
mag gnädig uns nun meiden.

Die Amseln, Meisen,
die bei uns geblieben,
am Futterhäuschen

munter, fröhlich stieben
und zwitschern in den kahlen Bäumen,
die knospend noch vom Frühling träumen.
Die helle Zeit,
sie ist uns bald beschieden.

© Ingrid Herta Drewing

Heimkehr

Im Abendrot der Zinnen Silhouette,
ein Schattenriss, dem Auge wohl bekannt.
Der Kindheit, Jugend lieb vertraute Stätte,
oh, dass man sie doch nie verlassen hätte!
Noch immer grüßt der Leuchtturm dort am Strand.

Erinnerungen flackern auf, es schwelen
die alten Feuer, ihre warme Glut,
die Bilder, die die Zeit schien zu verhehlen,
lebendig sich in Seel‘ und Sinne stehlen,
und du erfühlst sie, sagst : „ Es war doch gut!“

So schnell vergingen jene goldnen Jahre.
Nun streichst die Segel du im Abendwind
und weißt geborgen dich, bist dir im Klaren,
dein Boot darf in den Heimathafen fahren,
dorthin, wo alles seine Ruhe find‘.

© Ingrid Herta Drewing

Traum

Mir träumte schön von einem Garten,
gar reich erfüllt von Blütenduft,
wo singend bunter Vögel Arten
erheben leicht sich in die Luft.

Dort äsen Rehe auf der Wiese,
ganz ohne Scheu, doch elegant,
und alter Bäume grünes Sprießen
schenkt Schatten dort mit milder Hand.

Und Menschen wandeln zeitlos, heiter,
ihr Lächeln von der Liebe spricht.
Sie sind des Glückes Wegbereiter
und fürchten Tod und Stunde nicht.

Es scheint, sie haben längst vergessen
dies’ irdisch Los, auch Müh und Plag,
so sanft sind sie, von nichts besessen,
was ihren Geist zu lähmen mag.

Sie singen, und sie musizieren
und widmen sich der Poesie.
Die Zeit im Schönen zu verlieren,
ist ihres Liedes Melodie.

Und unter Sternen traulich leben
in Frieden und in Harmonie.
Ich sah den Ort im Traum entschweben.
Doch blieb ein Hauch
von Poesie.

© Ingrid Herta Drewing

Nostalgisch

Den Platz am Fluss,
wo sommers unter Weiden
wir Schatten fanden
vor der Sonne Glut,
nur wir ihn kannten,
so geheim und gut.
Man konnte ungesehen
sich entkleiden;
welch ein Genuss
das Bad in kühler Flut!

War jüngst vor Ort,
fand nicht mehr unsre Bäume.
Die kleine Wiese,
asphaltiert und kahl;
kein sanftes Fließen,
betoniert und fahl
die Böschung dort.
Nur noch in meinen Träumen
bleibt dieser Jugend Hort:
Es war einmal.

© Ingrid Herta Drewing

Neujahrswunsch

Wie diese Taube, nah der Dach – Antenne,
im Sonnenlicht des Morgens sich genügt,
so möchte ich von Lärm und Hast mich trennen
und bleiben doch ins Leben eingefügt.

Ja, es bewusst im Wesen auch erfassen,
bevor mein Tag den Abend kommen sieht,
und seine Wunder auf mich wirken lassen,
das Feuer fühlen, das in allem glüht.

In diesem grünen Land der Wälder, Wiesen,
der Städte, die an Parks und Gärten reich,
wo klare Flüsse hin zum Meere fließen,
Libellen, Silberreiher-Spiel am Teich.

Hier möcht‘ ich, bar des Grauens der Natur,
erleben ihrer Schönheit sanfte Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Geschenkte Zeit

Die Zeit, die wir gewinnen,
gewährt dem Leben Raum.
Es kann beherzt beginnen,
beseelt, mit allen Sinnen,
was lange war nur Traum.

Da darfst du nun gestalten
und fühlst des Daseins Kraft,
dich lösend von den alten
Chimären, deren Walten
vergangen und erschlafft.

Und folgst den neuen Wegen;
doch,was du lieb erschaut,
entgeht nicht deinem Hegen;
du wirst es hüten, pflegen,
weil es dir anvertraut.

© Ingrid Herta Drewing

Sprache

Sprache, du Wasser des Lebens,
bist uns ein Gottesgeschenk,
dürfen wir doch mit dir weben,
sagen, was Leben hier lenk‘.

Und deinen Klängen erliegen
wir, lauschend der Worte Sinn.
Sprache, in dir wahr sich wiegen
Gedanken Jahrtausende hin.

Zauberst uns Welten und Träume,
dem inneren Auge beschert,
zeigst Yggdrasil, Lebensbäume,
und sokratisches Fragen,gelehrt.

Bist vielen der stummen Wesen
der lebende, sprechende Mund.
Wir glauben in Worten, lesen
uns, in dir auch wirkend,gesund.

© Ingrid Herta Drewing

Reimneigung

Es fließt aus mir der Reime Schwall,
kann mich fast nicht erwehren,
und dennoch les’ ich überall
sollt’ ohne sie gewähren
der Worte Dichte, Chiffren, Bilder.
Jedoch der Reim, er stimmt mich milder.

Er ist bewegt auf Partnersuche
will gerne zweisam bleiben,
geht auch gekreuzt, umfasst zu Buche,
drängt mich, ich soll ihn schreiben
als Endreim einer schönen Zeile,
damit er versfroh nun verweile.

Sagt mir, warum sollt’ ich ihn nur
aus dem Gedicht verbannen!
Ich folge gern des Klanges Spur,
der taktvoll zieht von dannen.
Doch Bilderdichte, wenn sie glückt,
mich dann dabei noch mehr entzückt.

© Ingrid Herta Drewing

Gebet zum Jahreswechsel

Herr, führe uns auf deinen Pfaden,
zeig uns den Weg zu deinem Licht,
nimm unsre Schuld in deiner Gnade
und schenk uns Mut und Zuversicht!

Lass deine Kinder hier nicht wanken
in schwachem Sinn und Übermut,
erleuchte Herz uns und Gedanken,
bewege, wo die Kraft uns ruht!

Gib, dass wir menschlich sind, in Güte
dem Nächsten helfen mit Geduld,
Geschöpfe schützen, jede Blüte
sei uns ein Zeichen deiner Huld!

Damit wir diese schöne Erde,
die du uns liebend anvertraut,
auch pflegen und bewahren werden
in deinem Licht, das wir erschaut.

© Ingrid Herta Drewing