Eingeblendet

Die Erinnerung an den Flügelschlag
des Kohlweißlings
auf der Kapuzinerblüte.
Aufscheinen eines Sommerlichts,
das kurz ins Auge fiel.
Einen Wimpernschlag später
sein Tod im gelben Schnabel
der Zeit.

© Ingrid Herta Drewing

Dasein

Du weißt, von Stund zu Stunde wirst du älter;
und eines Tages bist du schließlich alt,
so wie’s im schwindend‘ Licht wird immer kälter,
erst Frühling,Sommer, Herbst, dann Winter kalt.

In diesem Kreislauf, dem Vergehen ,Werden,
schwingt auch dein Leben aus auf dieser Spur.
Wie alles hast du deine Zeit auf Erden
im Reich der großen Mutter, der Natur.

So nutze dies‘ Geschenk, die Gottesgabe,
dein irdisch Leben,gib bewusst ihm Sinn!
Sei menschlich,liebe! Weder Gier, noch Habe
bestimme das, was dir gilt als Gewinn.

Damit,wenn du dein Aug‘ für immer schließt,
aufgeht, was du gesät hast,wächst und sprießt.

© Ingrid Herta Drewing

Neujahrsvorsatz

Kurz nach erfolgter Wintersonnenwende
nimmt uns das neue Jahr nun in die Pflicht.
Zwar kommt die Kälte noch, jedoch das Ende
der dunklen Tage klärt bald trübe Sicht.

Was hell im Norden wächst, im Süden schwindet,
so zweigeteilt ist irdisch das Geschick.
Wenn uns die längste Nacht noch Winter kündet,
beginnt der Südhalbkugel Sommerglück.

So wundervoll ist dies‘ hier eingerichtet,
es findet stets das Leben seine Zeit;
erscheint Natur im Winter fast vernichtet,
schläft sie doch nur, erwacht zur Frühlingszeit.

Auch wir in diesem Wechsel gern beteuern,
dass wir bereit sind, uns nun zu erneuern.

© Ingrid Herta Drewing

Traumzeit II

Komm,Stille, du Musik der Nacht,
mit deinen sanften Träumen,
auf dass ich, was tags nicht bedacht,
verloren in der Nebel Wacht,
nun nimmer mag versäumen!

Schenk mir die Farben, die im Licht
der Phantasie erblühen,
die Feuer, deren Flammen nicht,
erstickt von Alltags müder Pflicht,
im Aschengrau verglühen!

Gib Kraft mir, Worte, Poesie
und hülle mich in Klänge,
damit des Lebens Harmonie,
der hellen Lieder Melodie
mich führen aus der Enge!

© Ingrid Herta Drewing

Winterlandschaft

Der Winter lehrt die Landschaft nun zu schweigen,
und Schnee verleiht ihr weiße Einsamkeit,
wo vormals noch des Herbstes Farbenreigen
im Überschwang gab feuriges Geleit.

Jedoch an klaren, hellen Sonnentagen
erwachen funkelnd abertausend Lichter
und zaubern leuchtend glänzendes Behagen
gleich Diamanten,Schneekristallgesichter.

Und dort am Futterhäuschen lächelt Leben.
Hier tschilpen, zwitschern Finken, flinke Meisen.
Auch Amseln gern ein muntres Gastspiel geben;
viel’ andre Sänger zogen südwärts leise.

Natur schenkt jetzt den klaren Winterblick,
und dich als Mensch erfreut dies’ stille Glück.

© Ingrid Herta Drewing

Friedenswunsch

Noch immer wünschen hier wir Menschen Frieden,
ersehnen eine Welt voll Harmonie,
und dennoch hören wir doch meist‘ hienieden
das Röhren jener falschen Melodie.

Bedrohlicher als feurige Vulkane,
der Meere unberechenbare Wellen
ist dieser Hass, er lässt Zerstörung ahnen,
wenn lebensfeindlich die Parolen gellen.

Gewalt und Terror brechen sich die Bahn;
Jahrtausende, geplagt von Leid und Kriegen!
Der Mensch, gefangen hier in bösem Wahn,
sich fragt, wann Liebe, Güte endlich siegen.

Er hofft stets wieder in der Weihnachtszeit,
dass sie den Frieden habe im Geleit.

© Ingrid Herta Drewing

Traumversunken

Tage gibt es, da träumen die Stunden;
festlich gekleidet, in Silber gewirkt,
schreiten sie langsam; still, liebend verbunden,
fließen Minuten, ohne Sekunden
emsig zu zählen, der Augenblick bürgt.

Tage gibt es, da klingen die Töne
dir so vertraut, ein harmonischer Klang,
dunkel und lieblich, tiefes Versöhnen
findet sich, einend in allem Schönen,
und es begleitet dich zärtlich Gesang.

Tage gibt es, da leuchten im Lichte
Farben, fein spielend in Glanz, Harmonie,
flüstern in Regenbogen Gedichte,
blau, violett, gelb, rot, grün Geschichten,
malen dir lächelnd des Glücks Sinfonie.

Tage gibt es, da schwebt in den Lüften
seidig und weich ein betörender Hauch.
Blüten erblühen und decken die Klüfte,
Wunder wirkend, im Zauber der Düfte
ruft dich, weit schwingend, das Leben nun auch.

© Ingrid Herta Drewing

Schwebe

Woraus sind wir gemacht?
Aus jenem Sternenstaub,
in Sphären aufgeklaubt,
und einem Geist, der lacht,
auch oftmals bitter weint,
und Träumen, die wir sacht
hier irdisch uns vereint?

Was hält uns auf der Spur
in unsrem kurzen Leben;
lässt uns hier nehmen, geben
inmitten der Natur?
Ist es das Lied vom Lieben,
ist’s unser Denken nur,
das wir, beflissen, üben?

Es ist dies‘ glaubend‘ Hoffen,
das uns in Schwebe hält
im Dasein dieser Welt,
die wir hier angetroffen;
und dieses Wunder: Leben,
in seiner Vielfalt offen,
das täglich neu gefällt.

© Ingrid Herta Drewing

Tierisch ver-rückt

Da springt der Hamster aus dem Rad,
der Laubfrosch aus dem Glas.
Das Hausschwein probt im Feld Spagat.
Die Schnecken geben Gas.

Die Katzen tanzen im Ballett
mit Mäusen Schwanensee,
und Krähen spielen ganz adrett
hier Pinguin im Schnee.

Hoch auf dem Drahtseil schwebt die Kuh;
ein Esel bläst Posaune.
Der Elefant und auch sein Gnu
sind heute guter Laune.

Und auf der Rue spazieren Tiger,
gefolgt von Nerzen,Leoparden.
Die Schwäne hier als Überflieger;
Hyänen scherzen aus Mansarden.

Die Enten schnattern, steh’n Spalier
gemeinsam mit den Gänsen.
Die Füchse mimen Kavalier
und laden ein zu Tänzen.

Die Hunde freudig, leinenfrei,
nun ziehen durchs Gelände.
Ein Affe laust sein Konterfei,
und Wölfe schütteln Hände.

Der Maulwurf tanzt mit seiner Grille.
Zwei Schlangen sich umwinden.
Ein Bär lupft die Designerbrille,
hofft Honig hier zu finden.

Die Löwen, wie aus Stein gehauen,
bewegt der Mumpiez nicht.
Sie ruhen majestätisch, schauen
mit stoischem Gesicht.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Nebelblindes Gehen,
Tasten nach dem Licht.
Hoffnung hilft bestehen,
wenn des Glückes Drehen
fordert den Verzicht.

Wenn die Feuer schwelen,
schwach dein Flämmchen glüht,
und des Lebens Stelen
Festigkeit verhehlen,
nichts im Garten blüht.

Lies nicht aus den Sternen!
Bleib‘ im Glauben fest!
Aus Erfahrung lernen,
Widriges entkernen,
Liebe leben lässt.

© Ingrid Herta Drewing