Archive for the Category Leben

 
 

Optimismus

Die Maiensonne hell ins Herz gepinselt,
bewahre ich ein Frühlingskonterfei.
Wer über Regen klagt, vom Wetter winselt,
dem sage ich: Nur Mut, das geht vorbei!

Da trau‘ ich mich, wie alle Optimisten,
das schöne Bild hier in den Blick zu rücken,
wenn auch der Unmut mancher Pessimisten
mir vorhält dies‘ als rosarote Krücken.

So mögen Realisten es belächeln,
wenn ich im wilden, schlimmen Sturmeswüten
schon ahne, dass bald zarte Lüfte fächeln
und uns erfreuen wird die Welt der Blüten.

Mag diese Lesart wirken auch naiv,
das Leben selbst schreibt ihr den Liebesbrief.

© Ingrid Herta Drewing

Im Nebel

Der Regen spült den Sonntag in die Rinne
und Kälte fließt aus dunklem Wolkengrau.
Was hier wohl vielen Pflanzen zum Gewinne
gereicht in ihrem wachsenden Beginnen,
verdirbt dem Sehnsuchtsblick die klare Schau.

Denn wieder hüllen dichte Nebelweben
dies‘ Land, wie`s oft geschieht,fast gänzlich ein.
Mag auch des Frühlings helles Blütenleben
sanft träumend dort in deinem Garten schweben;
es fehlt die Wärme hier, der Sonne Schein.

© Ingrid Herta Drewing

Lebenswille

Ein schlafend Feuer der Vulkan,
in Eis und Schnee gehülltes Leben,
und dennoch bricht sich Grünen Bahn.
Der Mensch, hier zwischen Wissen, Wahn,
sucht seinen Weg im Erdenstreben.

Und wehrt sogar Naturgewalten,
soweit sie leicht beherrschbar sind.
Doch immer wieder gibt‘ s kein Halten,
wenn Stürme, Fluten, Feuer schalten,
verfliegen Kraft und Witz wie Wind.

Jedoch, es wird ihn Hoffnung tragen,
sein Glaube, Denken ihn bewegt,
dass er trotz Leid und Todesklagen
auch weiterhin in seinem Wagen
den Lebenswillen wirksam hegt.

© Ingrid Herta Drewing

Ergänzung

Was wären ohne Algen die Polypen;
auch ohne Schwammes Nahrung gäb’s sie nicht.
Ihr Kalkgerüst nur blieb‘ in Wassers Trübe,
Korallenschönheit drohte der Verzicht.

Allianzen der Natur, so die Symbiosen,
ergänzend Wirken heißt das Lob.
Der Krabben Arbeit nutzt dem Wald, Mangroven,
entgiftet Wasser sacht im Biotop.

Und manchmal legt sogar ein kleines Tier
die Grundlage für vieler Arten Leben.
Im Pantanal kann Apfelschnecke hier
dem Riesenotter sichern ’s Überleben .

Auch Menschen sollten friedlich sich ergänzen,
Gemeinsamkeit lässt Leben erst erglänzen.

© Ingrid Herta Drewing

Ein Vormittag in meiner Straße

Früh Morgens dringt durch angelehnte Fenster
der Wecker aufgeregtes Piepen,Tuten,
und es erschrecken diese Lärmgespenster
die Menschen, die noch gerne träumend ruhten.

Die ersten Autos starten bald ihr Brummen;
das Kehrmaschinchen durch die Straße klingt,
Motorradknattern, Sehnsucht nach Verstummen
hat Nachtschichtler, der um den Schlaf nun ringt.

Hell lachen Kinder, Schüler zieh’n zur Schule,
und nebenan bellt deshalb Nachbars Hund.
Es weint das Neugebor’ne der Familie Uhle.
Das währt nicht lang, das Kind ist ja gesund.

Dann wird es in der Straße fühlbar still;
ich hör‘ der Frühlingsvögel schönes Singen,
bis kurz vor ein Uhr Klirren zeigen will,
das man das Mittagsmahl zu Tisch wird bringen.

Anschließend waltet sanft des Mittags Ruh‘.
Geschmeidig dehnt sich auf der Balustrade
der Kater, schnurrt und schließt die Augen zu,
ist müde von der Morgenpromenade.

© Ingrid Herta Drewing

Lichtgesang

Das Licht darf sich dem Tag verschenken,
bringt leuchtend Farbe in die Welt.
Dies‘ Sternenlied lässt dich bedenken,
dass, weit entrückt, ein fernes Lenken
auch unser Dasein hier erhält.

Ein jeder Atemzug, dein Leben,
ist eingebettet in dies‘ All,
in dem der Blau- Planet im Schweben
die Regeln kennt für das Verweben
der Vielfalt hier im Erdenfall.

In Demut Dank den treuen Händen,
der Macht der Gnade, die uns trägt
und täglich auch an allen Enden
beglückt in gütigem Verschwenden
der Liebe, die das Leben wägt.

© Ingrid Herta Drewing

Tulpentopf

Ich seh’ dem Leben gern beim Wachsen zu,
und Tulpen mir erlauben dies seit Tagen.
Zur Rettung vor dem Frost ins Haus getragen,
sie keimten auf, nun wachsen sie im Nu.

Schon blicken aus dem grünen Blätterbette,
geschlossen noch, die Blütenkelche rot.
Es ist, als ob sie wer gerufen hätte
und sie sich reckten zart, vom Licht umloht.

Drei kleine Tulpen nur im Blumentopf,
jedoch sie können mir die Hoffnung geben,
das Glück und Freude selbst dem ärmsten Tropf
beschert sind durch die Kraft, die schenkt das Leben.

Nun warte ich noch einen Tag verhalten,
erlebe sie in leuchtendem Entfalten.

© Ingrid Herta Drewing

Unausweichlich

Schnell gleitet mit der Zeit auch unser Leben,
unmerklich tickt im Herzschlag unsre Uhr.
Wir wissen nicht, wie lang es uns wird geben,
wann die Vergangenheit löscht unsre Spur.

Im Jugendalter schaust du in die Ferne,
der Gegenwart und Zukunft gilt dein Blick;
es blinken übermütig Hoffnungs-Sterne.
Im Alter greift Erinnerung zurück.

Du weißt, dass bald der große Abschied naht.
Es bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen.
Als Mensch ist dir bewusst, da hilft kein Rat.
Dort an der Grenze musst du dich verlassen.

Erspürst wohl tief, das Leben ist so schön;
doch unerbittlich heißt es: Du musst geh’n!

© Ingrid Herta Drewing

Frühlings Dornröschenschlaf

Ein grauer Tag verhüllt die Frühlingsträume,
als sei nun auch die Jahreszeit erkrankt.
Nur zartes Knospen hier an Büschen, Bäumen
zeigt,dass sie noch nicht gänzlich abgedankt.

Und hin und wieder gurrt die Ringeltaube,
sitzt einsam, aufgeplustert auf dem Dach.
Sonst saß sie turtelnd auf der Gartenlaube;
doch auch der Vögel Liebe wird nicht wach.

Wann kommt der Prinz, Dornröschen aufzuwecken?
Der Winter hält sie noch im Eis gefangen,
nichts ahnend von dem sehnenden Verlangen
hier Grünen, Blühen, Duften zu entdecken?

Vielleicht kommt Südwind in den nächsten Tagen,
beantwortet mit Wärme unsre Fragen?

© Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr IV

Noch kreisen zarter Flöckchen Tänze
hier in der klaren Winterluft,
wo Sonnenschein mit hellem Glänzen
das Leben in den Morgen ruft.

Am Futterhäuschen stieben Meisen,
auch Amseln sind hier gern zu Gast,
nun da der Winter heimlich leise
zog seine Fahne auf am Mast.

In Schnee hat alles er gehüllt;
sogar der Hahn der Kirchturmspitze
darf hier in weißem Winterbild
vereist im Sonnenlicht erblitzen.

Die kleine Welt blickt still, betroffen,
sie träumte doch vom Frühling schon,
jetzt muss sie wohl noch weiter hoffen
auf Blütenglück und grünen Lohn.

© Ingrid Herta Drewing