Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Fußball-WM-Limericks

Die Medien im Welt-Fußball-Fieber,
sie bauten’s Programm um wie Biber.
Es kommt schier zum Stau,
WM-Fußballschau
verdrängt, was so mancher säh‘ lieber.

Doch Fußball-WM in Brasilien
begeistert sehr viele Familien.
Zum Tag wird die Nacht.
Wer Urlaub nun macht,
fährt deshalb nicht nach Sizilien.

Jetzt regen sich viel Fußball-Kenner.
und ihr Kommentar stets ein Renner.
Sie sehen die Bälle
oft falsch an der Stelle,
sind selbst Couch-Potatoes und Penner.

Beim Public-Viewing die Massen
sich gerne begeistern lassen.
Schießt Deutschland ein Tor,
singt alles im Chor
und kann’s vor Freude kaum fassen.

Politiker, oft im Gedränge,
gern nehmen ein Bad in der Menge.
In Stadien sich zeigen,
dem Wähler was geigen,
den Fußballfan in den Fängen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Fußball-WM in Brasilien

Der Fußball und Brasilien,die Legende!
Doch heuer birgt’s WM-Spektakel Graus.
Zwar reiben FIFA-Bosse sich die Hände,
wie in Südafrika,als Heuschreck im Gelände,
lässt man zurück das Volk im Armenhaus.

Die Spiele, die in Stadien ausgetragen,
die eigens nur zu diesem Zweck errichtet,
sind überschattet, die soziale Frage
wird ignoriert wie jener Menschen Klage,
denen man Heimstatt,Existenz vernichtet.

Der Fußball-Sport, den hier doch viele üben,
wird so verzerrt als schmutziges Metier.
Die Straßenkinder, statt beschützt, vertrieben,
sogar getötet! Menschen sollten lieben,
und nicht im Eigennutz nur stiften Weh!

Wann endlich schaffen es die gut Gesinnten
und kappen FIFA-Macht und ihre Finten?

© Ingrid Herta Drewing,2014

Ende einer Regenwald-Idylle

Weithin springen die Lemuren
in den hohen Urwaldbäumen,
Wesen wie aus bunten Träumen
einer fernen Welt.

Kennen Pflichten nicht, noch Uhren,
keine Zeit, die sie versäumen
dort in ihren grünen Räumen,
leben, wie’s gefällt.

Doch schon sind des Feindes Spuren
sichtbar,denn durch Feuers Brände
roden Menschen das Gelände;
Hunger, Gier nach Geld.

Auf die Flucht nach neuen Fluren
sich die Affen da begeben,
ringend um ein friedlich Leben,
das auch sie erhält.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Gegen den Nationalismus

Als hätte es die Kriege nie gegeben,
da man auf Nationales nur gebaut,
zeigt jetzt Europa wieder dieses Streben,
im Wahn, zu retten so die eig’ne Haut.

Statt Missstände gemeinsam zu verändern,
sucht man den Sündenbock,lädt auf ihn Schuld.
Der Fremdenhass wird laut geschürt;an Rändern
der Hoffnungslosigkeit fehlt die Geduld.

Lasst ändern uns gemeinsam Fehl-Strukturen
und sorgen so für aller Wohlergehen!
Dreht nicht um hundert Jahr‘ zurück die Uhren,
wir wollen Krieges Leid hier nie mehr sehen!

Drum folgt nicht falschem Ruf der Rattenfänger!
Vereint in Vielfalt hier, währt Leben länger!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Tanker-Havarie

Des Lebens Gefieder
ermattet
am Strand.

Verloren
das unschuldige Weiß
der Schwäne.

Schwarz
schreibt die Ölspur
den Tod.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Trauer in Soma

Sie trauern um den Mann, den Vater, Sohn,
den Bruder, Freund,den Kumpel,Volksgenossen,
der hier bei harter Arbeit, schwerer Fron,
ersticken musst‘, im Bergwerk eingeschlossen.

Da mischt sich Wut in grenzenlose Trauer,
wie häufig auf der Welt war hier Profit
den Mächtigen, die immer etwas schlauer,
die Richtschnur, Tod nimmt man in Kauf und mit.

Und zynisch klingen da die kalten Worte,
in solch‘ Berufen sei das nun mal so,
des Bergmanns, der dort unten tief vor Orte
sein Untertagwerk tue,Risiko.

Als wisse man nicht längst,sich schon zu schützen!
So viel hält Ingenieurskunst da bereit.
Jedoch, das kostet Geld, und die ’s besitzen,
die Zechen-Eigner dulden lieber Leid.

Da hilft nur streiken, Rechenschaft zu fordern
von jenen, die hier übel an der Macht,
dass sie nun sühnen, was korrupt sie ordern,
den Tod, den sie den Menschen dort gebracht!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Überflutung

Es regnet, regnet, und die Flüsse schwellen.
Die Erde rutscht, begräbt das Dorf im Tal.
Die Wasser tosend durch die Städte schnellen,
verwüsten, was sie finden,bringen Qual.

Fast machtlos muss der Mensch dies‘ Treiben sehen,
das seine Habe und sein Heim zerstört,
um sich zu retten, in die Boote gehen,
verlassen alles,was ihm sonst gehört.

Geborgen werden, so auch Hilfe finden
und Glück,wer mit den Lieben bald vereint.
Den Helfern danken, die sich mühsam schinden,
damit nicht zu viel Tote dann beweint.

Es sollte doch die Menschheit endlich handeln,
zum Schutz des Klimas ändern, was jetzt schlecht,
damit nicht schlimmer wird der Wetter Wandeln,
Natur, entfesselt, fordert ein ihr Recht.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Quo vadis?

Wir sind doch noch Schamanen,
beschwören Tier und Beute,
tanzen für Land und Leute,
wie einstmals unsre Ahnen.

Wir sind noch immer Blinde
im Hirn und auch im Herz,
verfallen dem Kommerz
und Marketing-Gebinde.

Noch immer Brot und Spiele,
Marktschreier im Gewühle,
und alles lacht.

Ob wir den Weg noch sehen,
ob wir den Weg dann gehen
aus dieser Nacht?

© Ingrid Herta Drewing,2008

Friedensappell

Lasst ab von diesem Kriegsgeschrei,
hört auf es zu beschwören!
Sinnt lieber nach,dass Frieden sei,
bedenkt, was wir verlören!

Bewahrt das Leben, lasst euch nicht
durch Gier von bösen Mächten
mutwillig führen hinters Licht,
versklaven und entrechten!

Sagt nein zu Waffen, die ein Land
und Menschen kalt vernichten!
Reicht brüderlich vereint die Hand,
vergesst die Feind-Geschichten!

Gemeinsam können wir hier nur
der Not, dem Leid begegnen,
anstatt auf Krieges Todesspur
das Zeitliche zu segnen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Albtraum

Noch verstecken sich
in Marktlücken
veilchenfarbene Träume
von Frühlingstagen,
die wir nicht
kaufen können.
Tautropfen
künden von Ursprung,
und jenseits
der Neonfassade
gedeiht
unschuldig Schlaf.

Aber Albträume
hatte ich heute:
Wahn
eines weißen Riesen,
der Tautropfen
von Veilchenlaken
klopft
und lauthals
Frühlingsfrische
in die Welt
rülpst.

© Ingrid Herta Drewing,1976