Sommermittag

Der Mittag spreizt die blauen Flügel,
gönnt sanft dem Leben etwas Ruh’,
und Sonne strahlt hoch überm Hügel,
schaut lächelnd der Idylle zu.

Sieht Vögel auf Kaminen sitzen,
die Katzen auf Gesimsen ruhen,
Eidechsen in der Felsen Ritzen
und Bienentanz in Pollenschuhen.

Der Mensch, auf Sonne sonst versessen,
geruhsam döst im Schatten jetzt.
Die Hitze mag er gern vergessen,
liebt Wasser, das ihn kühl benetzt.

Ein milder Wind singt in den Bäumen,
von fern erklingt ein leises Lied.
Pan weckt der Sehnsucht süße Träume,
ein Klang, der zart zum Himmel zieht.

© Ingrid Herta Drewing

Sicht

Nimm einen Morgen wie diesen!
Blauhimmel über dem Wald,
Nebelhauch, Tau netzt die Wiesen,
in Gold grüßt der Sonne Gestalt.

Lass deine Blicke weit schweifen,
vom Berg hinab in das Tal,
und dich von Stille ergreifen,
fern seien Sorgen und Qual!

Was dir groß, mächtig erschienen,
wirkt von hier oben so klein.
Alles darf letztlich nur dienen
einem lebendigen Sein.

© Ingrid Herta Drewing, 2015

August

Heiß will sich nun August
ins Sommerherz hier schreiben,
dem Leben flüstern: Bleiben!
Der Pflanzen heller Blust,
des grünen Werdens Lust
darf Träume übertreiben.

Perseiden, Wünsche-Zeit,
Laurentius-Tränen fallen,
manch Mündchen von Korallen
seufzt da im Liebesleid.
Nicht viele sind gefeit
vor Wahn und Wohlgefallen.

Hochsommer-Freuden; Heu
liegt duftend auf den Wiesen,
gekürzt, was hoch wollt‘ sprießen.
Doch immer wieder neu
erfrischt uns kühl und treu
des Baches gluckernd‘ Fließen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Reife

Es trägt mein kleiner Apfelbaum
drei kleine Äpfel nur
trotz seiner vielen Blüten,
und Bienen, die sich mühten,
verblasste Frühlings Spur.

Auf dem Balkon fehlt ihm wohl Raum,
tief wurzelnd auszugreifen,
denn trotz der Blätter Grüne
zeigt seines Lebens Bühne
nur kümmerliches Reifen.

Auch Menschen schaffen’s manchmal kaum
ihr Können zu entfalten,
vergeuden ihre Gaben,
die sie von Haus aus haben,
zu oft will Leichtsinn walten.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Sommernacht

Hell thront der goldne Sommermond
in dunkelblauem Bilde,
lockt zum Spazieren, es belohnt
die Nacht mit Lüften milde.

Nun mag man, weil die Hitze fern,
noch unbeschwert flanieren.
Der Sterne Funkeln darf da gern
romantisch animieren.

Im Park die Düfte des Jasmin,
der Linden-Blütenbäume
und Klänge sanfter Melodien
beflügeln Sommerträume.

Da findet sich manch‘ traulich‘ Paar,
einander lieb ergeben,
erfährt erneut,welch‘ wunderbar
Geschenk ist dieses Leben.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Sommer-Intermezzo

Den Regenmantel weggehängt,
der Sonnenschirm ist nun willkommen.
Die Sonne zärtlich uns bedrängt,
vom Sommer in den Arm genommen.

Es hat das nasse Zotteltier
für eine Weile sich verkrochen.
Kein Wolkentrupp steht mehr Spalier;
nur Himmelblau scheint uns versprochen.

Der Kinder Traum vom Ferienglück,
von Freiheit, Spiel und Spaß im Bade,
er meldet wirklich sich zurück.
Ins Freie geht es mit dem Rade.

Doch Wetterfrösche prophezeien,
ein Intermezzo sei dies nur,
und Schwüle, bald Gewitter seien
den Sommerfreuden auf der Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Kleines Glück

Einer Rose Duft,
Schwalben am Himmel schwebend
und Sommersonne.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Schöner Sommermorgen

Der Himmel blau, das Sonnenlicht
strahlt in der Früh‘ schon hell ins Haus.
Die Luft ist lau, und dich anspricht
ein Sommertag, ruft dich heraus
aus deiner Alltagssorgen Pflicht.

Da darfst du Trübes nun vergessen,
genießt die Schönheit der Natur,
lässt dich durch keine Eile stressen,
und dieses Lebens helle Spur
magst du mit Muße jetzt ermessen.

Du spürst und fühlst mit allen Sinnen
die Freude und das kleine Glück.
Der Amsel Lied klingt von den Zinnen,
und zarter Rosenblüten Blick
begleitet hier dein neu Beginnen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Rhein-Tryptichon

Der Rhein

I Alpenrhein und Oberrhein

Vom Rheine lasst uns hell hier singen,
vom gletschergrünen, jungen Rhein,
der aus zwei Quellen, Flüsschen springend,
durch steile Alpenschluchten dringend,
wild sprudelnd fließt ins Land hinein!

Er rauscht zu Tal; im Bodensee
scheint er sich lieblich zu verlieren
und sagt in Konstanz doch Ade,
um bei Schaffhausen, aus der Höh’
in tiefem Fall zu triumphieren.

Hoch rahmen Schwarzwald und Vogesen
nach Basel ein den Oberrhein;
auch Pfälzer-Oden-Waldes Wesen,
Weinstraße, Rebsaft auserlesen
hier laden gerne Gäste ein.

Ob Freiburg,Straßburg, Mainz,Wiesbaden,
Karlsruhe, Worms und Speyer-Tour
Jahrtausend’ alte Städte laden
ein zu Geschichte-Promenaden
anheimelnd schöner Stadt-Kultur.

II Mittelrhein

Der Mittelrhein, ein Sagen-Raunen
begleitet der Touristen Schiff.
Hier lässt des Flusses Schönheit staunen,
als hätt‘ ein Gott in Liebeslaunen
ihm einst verliehen diesen Schliff.

Er windet sich im engen Tal,
in Fels-Weinberge eingeschnitten,
der Strom, auf dem schon dazumal
von Süd und Norden ohne Zahl
der Römer Schiffe stolz geglitten.

Doch auch des Mittelalters Seiten,
die Burgenpracht auf Felsenwand,
entrücken uns in ferne Zeiten.
Von Ritter – Leben, kühnem Streiten,
erzählt romantisch hier das Land.

Und sanft erklingt die alte Weise,
dies’ Märchen von der Loreley,
das Heine-Lied, wehmütig, leise;
nah’ St. Goar zieht ’s seine Kreise;
ergriffen lauscht der Mensch dabei.

III Niederrhein

Vorbei an Drachenfels’ Gestalten,
strömt er ab Bonn als Niederrhein.
Nun darf er in der Breite walten,
gemächlich fließen, langsam schalten;
die Ebene lädt dazu ein.

Schon grüßt in Köln der Dom so prächtig,
der Gotik Türme, hoch und hehr,
ein Bauwerk, herrlich, groß und mächtig,
das viele Menschen hier bedächtig
und glaubend bauten, wenn’s auch schwer.

In Duisburgs großen Binnenhafen
mündet als Nebenfluss die Ruhr.
Hier zeigt der Strom, recht ausgeschlafen,
den Umschlagplatz der Ruhrpott-Braven;
die Industrie bestimmt die Spur.

Bei Emmerich, Nordrhein-Westfalen,
verlässt der Rhein das deutsche Land,
darf sich in Niederlanden aalen,
als Waal und Lek ins Delta malen,
erreicht mit Maas der Nordsee Strand.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Sichtweise

Noch hält die Nacht die dunkelblauen Schwingen
sanft ausgebreitet, schenkt der Ruhe Raum,
und Sternen-Lieder, Silbermond besingen
der Menschen Wünsche,ihren Friedenstraum.

Doch mit des Tages Licht erwachen Sorgen.
Das Leben fordert häufig den Verzicht.
So mancher schaut bekümmert in das Morgen
und traut sich selbst und auch den andern nicht.

Da kann es helfen, seinen Blick zu schärfen,
die Freude finden, die uns wird geschenkt,
nichts achtlos übersehen, gar verwerfen,
nur weil Natur nicht nach der Mode denkt.

Des kleinen Glückes helles Morgenrot
erblüht selbst dort, wo graue Not uns droht.

© Ingrid Herta Drewing