Winterlandschaft

Der Winter lehrt die Landschaft nun zu schweigen,
und Schnee verleiht ihr weiße Einsamkeit,
wo vormals noch des Herbstes Farbenreigen
im Überschwang gab feuriges Geleit.

Jedoch an klaren, hellen Sonnentagen
erwachen funkelnd abertausend Lichter
und zaubern leuchtend glänzendes Behagen
gleich Diamanten,Schneekristallgesichter.

Und dort am Futterhäuschen lächelt Leben.
Hier tschilpen, zwitschern Finken, flinke Meisen.
Auch Amseln gern ein muntres Gastspiel geben;
viel’ andre Sänger zogen südwärts leise.

Natur schenkt jetzt den klaren Winterblick,
und dich als Mensch erfreut dies’ stille Glück.

© Ingrid Herta Drewing

Auf dem Weihnachtsmarkt

Kalt ist ’s, doch Waffeldüfte locken.
Wie Puderzucker rieselt Schnee;
und klar erklingt das Lied der Glocken,
herab vom Kirchturm in der Höh’.

Des großen Tannenbaumes Lichter,
sie strahlen hell; und Freude, Glück
blickt aus der Kinder Angesichter.
Sie stehen staunend und entzückt.

Adventsonntage, und gemeinsam
Familien übern Markt spazieren.
Da bleibt man nun nicht länger einsam,
auch gibt es viel zu schnabulieren.

Und dort im Kinderkarussell,
auf Pferden, Tigern, weißen Schwänen,
da fahren Jan,Sven, Isabell:
Klein-Kläuschen krallt des Löwen Mähne;
für ihn dreht alles sich zu schnell.

Die Mutter holt ihn auf den Arm,
sie küsst ihn, zeigt ihm einen Stern,
und kuschelt Kläuschen ein, ganz warm.
So mag er Schneegestöber gern.

© Ingrid Herta Drewing

Weihnachtszeit

Vom Turme hell klingen die Glocken,
und weiße Schleier so licht,
gewebt aus des Schnees zarten Flocken,
sie schenken der Erde schlicht
ein friedliches Unschuldskleid.

Weihnachten, freudvolle Zeit,
Die Sterne,die Kerzen erglänzen .
Warm werden Herzen und weit.
Es schwingen in lieblichen Tänzen
des Jubels Lieder, befreit.

© Ingrid Herta Drewing

Advent in der Stadt

Ein Kleid aus Sternchen schmückt die Erde.
Es schenkt der Schnee die weißen Spitzen,
auf dass es hier nun festlich werde.
verhüllt die dunklen Wunden, Ritze.

Adventszeit ist, die Menschen haben,
um ihre Stadt ins Licht zu rücken,
begonnen, ihrer Märkte Gaben
mit Tannen, Sternen auszuschmücken.

Die Freude in der Kinder Augen
strahlt heller als des Lichtes Glanz
Was Großen mag als Deko taugen,
verzaubert ihren Tag nun ganz.

Sie fühlen Freude im Erwarten.
Dies‘ Klingen in der Weihnachtszeit
führt zart sie hin zu jenem Garten
der Engellieder, Friedenszeit.

© Ingrid Herta Drewing

Wolkiger Wunsch

Es zogen drei weiße Wölkchen
am Frühlingshimmel dahin;
da ward dem luftigen Völkchen
recht übermütig der Sinn.

Sie wollten nach Afrika reisen,
um hoch über Sahel und Sand,
sich regnend, segnend zu erweisen,
besiegen die Dürre im Land.

Ihr Wille war wolkig, weich,
als er an der Alpen Rand
im Aufsteigen kalt sogleich
ein jähes Ende fand.

Ihre Wassertröpfchen, die feinen,
die sie für die Ferne gehegt,
sie wurden als Schneesterne, kleine,
zum Aletschgletscher gelegt.

So geht es mit manchen Träumen.
Wenn sie bei Licht nicht durchdacht,
erweisen sie sich als Schäume
des Schlafes in finsterer Nacht.

© Ingrid Herta Drewing

Wintergeflüster

Ein zarter Flaum von Schnee bedeckt die Wege,
die Wiesen, die von Kälte starr, erblasst;
und auch die Dächer grüßen in der Höh’
als weiße Hüte; noch sind sie bar der Last.

Als habe wer mit einem großen Sieb
fein Puderzucker überall verstreut,
so zauberhaft, für ’s Auge eine Freud’.
und Frost sorgte dafür, dass er hier blieb.

So täuscht der Winter uns auf sanfte Weise.
Jedoch, wir wissen wohl um seine Macht,
wie er die Flüsse, den Verkehr im Eise
fast überall zum Stillstand hat gebracht.

Doch lehrt Erfahrung uns, nach Winterleid
erquickt uns bald die milde Frühlingszeit.

© Ingrid Herta Drewing

Verspätete Winterankunft

Rau weht der Wind heut’ aus Nord-Ost.
Die weißen Flocken wirbeln, stieben.
Die Erde, hart geplagt vom Frost,
darf nun bald weich bedeckt hier liegen.

Die Kleidung, vorschnell eingemottet,
wird wieder aus dem Schrank geholt,
sich gegen Kälte abgeschottet.
Ja, Winter hat uns recht verkohlt.

Tat so, als wolle er nicht kommen
in unser Land in diesem Jahr.
Sein Zögern ward zu ernst genommen;
man glaubte, Frühling sei fast da.

Nun wird er uns wohl Mores lehren
und macht sich hier mit Kälte breit.
Wir, machtlos, können ’s nicht verwehren;
es ist ja seine Jahreszeit.

© Ingrid Herta Drewing

Schläfrige Frau Holle

Ein Spätherbst lässt hier Winter missen,
er fröstelt, hat im Januar
kein Flockenbettchen mehr zerschlissen;
Frau Holle schläft bis Februar.

Wenn alle schon vom Frühling träumen,
das Leben prall in Knospen schwillt,
beginnt sie, ihr Haus aufzuräumen;
zur Erde stieben Flocken wild.

Die Menschen, die zur Fastnachtszeit
sich auf den Straßen lustig tummeln,
sie werden sich im Narrenkleid
noch zusätzlich in Pelz vermummen.

Bis zum April liegt dann der Schnee,
und zwischendurch wird ’s auch mal tauen.
Die Frühblüher aus weißem Weh
mit ihren zarten Köpfchen schauen.

Vielleicht ist auch an Frühlings Statt
des Sommers Wärme schon zur Stelle?
Im Klimawandel Holle hat
verwischt der Jahreszeiten Schwelle.

© Ingrid Herta Drewing

Weiße Nächte

Die Nächte tragen weiße Kleider,
und Mondlicht färbt sie silbern ein
inmitten heller Sterne Schein.
Ihr Schneegewand glänzt, ohne Neider
umhüllt ’s die Erde zärtlich, rein.

In solchen Nächten liegt ein Schweigen
fast gütig auf der lauten Welt,
die täglich lärmend jagt nach Geld.
Jedoch nun scheint ihr Friede eigen,
darf himmlisch träumen, sanft erhellt.

© Ingrid Herta Drewing

Schneesturm

Schnee stob, des Winters kalter Hauch, der Frost,
legte schon Raureif auf die Gräser, Zweige.
Dazu ein Sturm blies heftig aus Nord-Ost,
und von der nassen, weißen Last erfasst,
begannen Bäume sich bedrückt zu beugen.

Und plötzlich schien der Zauber mir verflogen,
die Schönheit, die ich sah in weißer Pracht,
denn hart und feindlich spannte er den Bogen,
dem Leben war er keineswegs gewogen,
der Winter, der hier zeigte seine Macht.

Ich fand das warme Feuer, ein Zuhause,
wir Menschen wissen ja, wie wir uns schützen.
Doch die Natur, das zarte Leben draußen,
muss zittern, vielleicht sterben in dem Brausen,
wenn hier ein Blizzard wirft die Speeresspitzen.

Ist er vorbei, liegt friedlich da die Welt,
im Unschuldsweiß glänzt dann die Winterbühne.
Des Himmels Blau, von Sonnengold erhellt,
der strahlend schöne Tag wirkt, wie bestellt;
nur noch der Windbruch trübt die frohe Miene.

Ingrid Herta Drewing