Archive for the Category Leben

 
 

Sommerabend auf dem Balkon

Des Tages Vögel kriechen ins Gefieder,
jetzt da die Sonn‘, sich rötend, geht zur Ruh.
Schon schweigen hier der Amselhähne Lieder,
und Blumen falten sanft die Blüten zu.

Der Abendstern erstrahlt am Himmelszelt,
und erste Fledermäuse flattern, ziehen
auf Beutefang in ihrer kleinen Welt,
wo die Insekten vor den Jägern fliehen.

Auch ich lass nun den Sommertag ausklingen
auf dem Balkon im Windlicht-Schummerschein.
Der Linden Düfte lieblich zu mir dringen,
und nasenselig atme ich sie ein.

Erschaue, wie der Tag so sacht entgleitet,
und Nacht den Sternenmantel still ausbreitet.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Jahresklang

Es grünen Wälder. Felder, Wiesen, künden
von Leben, das der Frühling licht gebracht,
der duftend nun, dies blühende Empfinden
versprechend, sich mit Sommer wird verbinden,
bis Herbstes Reife glüht in Farbenpracht.

Entlaubt und kahl, im Nebelkleid die Bäume
erwarten dann des Winters weiße Zier,
der flockenweich in seinen stillen Räumen
das Leben ruhen lässt in sanften Träumen,
bis es sich neu im Lenz entfaltet hier.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Mensch und Fortschritt

Kein Wesen auf der Erde geht so schnöde
hier mit dem Leben und den Seinen um,
verwüstet die Natur, macht sie zur Öde!
Trotz Fortschritt zeigt sich Homo sapiens dumm.

Da lässt ihn nun sein Hirn so viel ausklügeln,
verleiht ihm Flügel, bringt ihn bis ins All;
doch immer noch vermag er nicht zu zügeln
Gewalt und Kriege, Hochmut vor dem Fall!

Es sterben Mensch und Tier, das Land vergiftet,
die Meere überfischt und Öl getränkt
und wo Vernunft in Frieden Einsicht stiftet,
drängt Geldgier an die Macht, zerstört und lenkt.

Wann endet es, dies‘ ruinös‘ Verhalten
und lässt uns und den Lebensraum erhalten?

© Ingrid Herta Drewing,2015

Frühsommer-Abend

Frühsommer spielt schon vor den Türen,
der Sehnsucht nach der Sonne stillt,
vermag mit Düften zu verführen
und lässt uns abends noch flanieren
in lauen Lüften, Wonne mild.

Am Himmel Mauersegler schweben;
ein lieb gewohntes, schönes Bild,
wie sie sich leicht im Licht verweben,
als sei für sie dies‘ irdisch‘ Leben
vom Glanz der Ewigkeit erfüllt.

Allmählich mag der Tag nun gleiten
ins dunkle Blau der klaren Nacht,
den Sternenmantel licht ausbreiten,
auf dem die sanften Träume schreiten,
die hier der Silber- Mond bewacht.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Es lebe die Illusion

Mir war, als würde ich in Träumen wandern,
in einer lichten Welt, die Frieden kennt,
wo keiner neidet, hasst das Glück des andern,
und Freundlichkeit der Taten Amen nennt.

Erwacht erkannte ich die Illusionen,
es fiel die Wirklichkeit da laut ins Schloss,
und düster warfen Krieg und Mörderdrohnen
das Elend in das Land, den Tod im Tross.

Und dennoch will ich mir den Traum bewahren,
die Güte der geschwisterlichen Welt,
wo man dem Nächsten hilft, der strauchelt, fällt,
und die Natur auch hegt in allen Jahren.

Denn nur, wenn wir das Gute sinnen, denken,
wird unser Weg uns in die wahre Richtung lenken.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Schmetterlingsbesuch auf dem Balkon

Als ich so saß, beschaulich las,
umhüllt von Blütendüften,
besuchte mich ein fremder Gast,
zart fliegend in den Lüften.

Er glich fast einem Kolibri,
doch war’s ein Taubenschwänzchen.
Petunien ihm versprachen hie
den Nektar für sein Ränzchen.

Von Kelch zu Kelch der Schwärmer zog,
flugs schwirrend sich dort labend.
Mit seinem langen Rüssel sog
er ein die süßen Gaben.

Er, der im Süden sonst zu Haus,
scheint heimisch hier geworden.
Die Erderwärmung nutzt er aus,
besucht nun auch den Norden.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Wunsch

Wir, die wir doch von Liebe wissen,
sind oft in unsrem Handeln nur
schwer Hörende, die trotz Gewissen
sich betten auf des Hochmuts Kissen,
faul folgen einer falschen Spur.

Wir könnten in der Welt gestalten
Friedens Oasen, Paradiese,
anstatt chaotisches Verhalten,
Ruin im Wahne hoch zu halten,
gleich Kerkermeistern im Verliese.

Im Einklang mit Natur hier leben,
nicht kreisen nur um Ich und Habe
und gierig, stur nach Beute streben,
sondern sich sinnvoll zu verweben,
bewahrend Schöpfers schöne Gabe!

© Ingrid Herta Drewing,2015

Am Fluss

Es lieben die Wasser das Reisen
und strömen im Flusse dahin.
Sie flüstern dir zu, plätschern leise,
mögest folgen der Wellen Weise,
in die Weite sich richte dein Sinn.

Mit schnittigem Schiffe dort fahren,
gebläht weiße Segel im Wind,
der auch dir weht wild in den Haaren.
Du blickst in den Himmel, den klaren,
ein Fernweh trunkenes Kind.

Darfst dennoch nur Landratte bleiben,
fremde Abenteuer gibt’s kaum.
Jedoch Phantasie wird dich treiben
und lässt dich Geschichten aufschreiben,
in welchen dann wahr wird dein Traum.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Löwenzahn

Kleine Sonne, Löwenzahn,
leuchtest in den Wiesen.
Immen sich dir summend nahn,
Nektar suchend grüßen.

Weithin strahlt dein Blütenlicht.
Auch an grauen Tagen
wehrt dein dottergelb Gesicht
Trübsals tristen Plagen.

Noch aus kleinster Bordsteinritze
kannst du dich erheben ,
sprießt und wächst bei Nässe, Hitze,
grünes Sternen-Streben!

Stets schenkt mir dein Anblick Mut.
Zeigt er doch, dass Leben
siegt trotz der Zerstörungswut,
die so oft gegeben.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Erdbeben

Es blüht der Frühling und erwärmt die Herzen.
Man fühlt sich nun fast sicher, sorgenfrei,
geht fröhlich in den Tag, liebt es, zu scherzen
und freut sich auf den Wonnemonat Mai.

Ja, es erscheint hier alles fest gefügt.
Der Boden dieser Erde gibt uns Halt.
Doch viele Beben zeigten, wie das trügt;
zerstören, töten kann Natur-Gewalt.

Der Erde Kruste, Platten in Bewegung,
lässt Leben sein ein Tanz auf dem Vulkan.
Wir sind da machtlos, schwach; des Hochmuts Regung,
die uns oft eigen, wird entlarvt als Wahn.

Und dennoch man es gar zu schnell vergisst,
wie kurz und kostbar unser Leben ist.

© Ingrid Herta Drewing,2015