Mai-Mittag

4.0M DigitalCAM

Der Mittag breitet aus die sanften Flügel
und gönnt dem Tag für eine Weile Ruh’.
Die Sonne streichelt Felder, Wälder, Hügel,
deckt licht und warm die grüne Erde zu.
Auch ich lass’ locker nun die straffen Zügel.

Was noch am Morgen lärmend sich gefiel,
das ist besänftigt, schickt sich an zu schweigen.
Die Schwalben schweben lautlos ohne Ziel
dort übern See, wo sich die Weiden neigen,
als sei dies’ Leben nur ein schönes Spiel.

Der Kater, träumend auf der Balustrade,
er schnurrt behaglich, passt ins Mittagsbild..
Im Gartenrestaurant bei Limonade,
nach ausgedehnter Promenade
genieß’ ich Maienluft, die jetzt so mild.

© Foto u, Text / Ingrid Herta Drewing

Kriegstreiber

Krieg,2014

Noch immer nichts gelernt aus der Geschichte!
Ja, provoziert, gezündelt wird, auch Krieg
noch kühl geplant für manchen falschen Sieg,
der Menschenleben achtlos macht zunichte.

Da spielen sich auf mächtig als Despoten,
Anführer, die man arglos hat gewählt,
weil sie verhießen, was die Wirtschaft stählt,
und seien es moralisch auch Idioten.

Und wieder hörst du sie im Gleichschritt gehen,
Soldaten, die nur folgen dem Befehl;
der Tod ist auf dem Marsch, man’s gern verhehl‘.
Wie gern möcht‘ mancher doch noch widerstehen!

Wofür das alles, dies Bekriegen, Töten,
da es doch nur der Reichen Pfründen gilt?
Der Kriegsgewinnler sich die Taschen füllt,
indessen bleibt des Volkes Rest in Nöten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Unwetter im Mai

Hochsommerschwüle schon im Mai,
Gewitterstürme, Regen
in Massen, wie’s nie üblich sei,
macht Flüsse aus den Wegen.

Es spült das Wasser braunen Schlamm
ins Dorf, da auf den Feldern
der Maisanbau nicht wirkt als Damm,
kein Schutz, es fehlen Wälder.

Dem Klimawandel muss man jetzt
in Zukunft Rechnung tragen,
Hochwasserschutz im Flächennetz
sollt‘ man sich nicht versagen!

Damit man rette Hof und Haus,
erst recht das eigne Leben,
die Eigensucht da schalte aus,
gemeinsam gilt ’s zu streben!

© Ingrid Herta Drewing

Indianerschlaf

Einschlafen soll er, mag noch nicht,
möcht’ bei den andern bleiben.
Sein Bruder, dieses Bleichgesicht,
darf sich dort Zeit vertreiben.

Und da soll Häuptling „Große Zeder“
ins Bett schon, in die weichen Federn?
Er schleicht sich aus dem Wigwam raus
und kundschaftet nun alles aus.

Aha! Erwischt! Sie sehen fern.
Den Film, den sieht er auch recht gern.
Hier hinterm Sessel, gut versteckt,
wird er ganz sicher nicht entdeckt.

„Ach, dies Programm ist gar zu öde!
Ich schalt’ es aus, sonst noch verblödet
der Späher hinter meinem Sessel.
Ich werd’ ihn fangen und gleich fesseln.“

Der Vater schnappt den Häuptling sich,
trägt ihn ins Bett und schimpft doch nicht.
Liest vor von Bären und Schoschonen,
Indianern, die in Wäldern wohnen.

Und langsam holt der Schlaf sie ein,
den Vater und sein Söhnelein.

© Ingrid Herta Drewing

Feigenblatt-Tage

Rosennacht Kopie

Der Tag des Kindes, Tag des Kusses,
der Tag der Arbeit, Muttertag
birgt oft den Anlass des Verdrusses
für den, der solchen Schein nicht mag.

Was man im Jahr zu wenig schätzt,
wird einmal kurz ins Bild gehoben
und wiederum in Schlaf versetzt,
Dornröschens Fluch, nur mild verwoben.

Genötigt fühlen sich da viele:
„Oh, Gott, es ist ja Muttertag!
Noch schnell paar Blümchen für Cäcilie,
weil sie uns heut’ erwarten mag!“

Kurz der Besuch bei den Senioren.
Das Heim wird heut’ zum Blumenhaus;
doch manche Mutter schaut verloren
dort aus dem kleinen Fenster raus.

Wir haben uns so eingerichtet,
dass uns die Zeit zu lieben fehlt,
gehetzt, verplant; so wird vernichtet,
was wesentlich zum Menschsein zählt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Foto: Maike Drewing

Algorithmen- Honig

Version 3

Man erliegt so leicht dem Schmeicheln,
fragt oft nicht, ob ’s wahr auch sei.
Gut tut doch ein Seelen-Streicheln
nach des Alltags Plackerei.

Ja sogar in Facebook haben
dies die Macher schon erkannt,
sind mit Algorithmen-Gaben
reichlich schmeichelhaft zur Hand.

Loben dich als Beste, Schöne,
eine die von Herzen gut,
drum geliebt, die Flötentöne
schenken, dich bezirzend, Mut.

Bist du down, bei name-test com,
schenkt dir Algochen den Lauf
und erklärt dir lieb und fromm,
du seist klasse, baut dich auf.

Nimm es nur als Spielchen an,
Schmunzeln regt sich im Gemüt!
Denn was man sonst wirklich kann,
ist wohl ein ganz andres Lied.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Frühlingsregen

Version 2

Der Tag erwacht im Wolkenbett.
Ein frischer Frühlingsregen
benetzt die Pflanzen, so als hätt‘
der Mai gebeten ihn recht nett
um seinen kühlen Segen.

Frühsommer hatte, heiß entbrannt,
den Lenz schon fast vertrieben.
Was schüchtern zart in Blüte stand,
fiel welkend gar von seiner Hand,
und wollt‘ doch Milde lieben.

Jetzt, da der Frühling ist zurück,
schenkt Wasser neues Leben,
bestärkt hier Floras grünes Glück
und rückt die Schönheit in den Blick,
die von Natur gegeben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Mai-Festspiele

Marktkirchen, Wardablick, Magnolien_o

Wie die Blüten überfließen,
überschäumen, Rausch im Rund!
Farbenfroh will sich ergießen
nun des Frühlings lichter Fund.

Hoch am Himmel Schwalben schweben,
schwarz befrackt und hier zu Gast.
Jetzt wird Sonne Feste geben,
strahlend sie den Tag erfasst.
.
Leuchtend glänzt der Fluren Grünen,
Garten, Park und Wald erhellt.
Frühlings neue Lebensbühnen
spielen, wie es uns gefällt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2015

Frühlingsnacht

Flieder_o

Erwacht in linder Frühlingsnacht
will mir, noch halb im Traum,
ein Lied erklingen
und legt mir an den Zaum,
mit ihm zu singen,
zu folgen seinen Versen sacht.

Entfacht in lieblich zarter Macht,
wohl ahne ich es kaum,
mag mich umringen
ein feiner Blütenflaum,
betörend bringen
ins Dunkel seine Fracht in Pracht.

Hier im Garten der Syringen
schenkt mir mein Fliederbaum
die süßen Düfte,
erfüllend mild den Raum,
und Frühlingslüfte
in ihrem sanften Zauber schwingen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Maimorgen

Morgenröte in Wiesbaden,02.08.17,o

Noch grüßt ein blasser Mond; doch dort im Osten
erblüht des jungen Tages Morgenröte.
Die frühen Vögel sind schon auf dem Posten
und singen hell ihr Lied zu Frühlings Flöte.

Noch scheint die Stadt in Träumen zu verweilen,
pausiert ein wenig, feiert Wochenende,
bevor man mag zum Markte hinzueilen,
fürs Sonntagsmahl zu kaufen dort behände.

Ich lieb‘ die Ruhe, dieses Innehalten,
bevor sich alles umtriebig bewegt,
um lautstark hier das Tagwerk zu gestalten.
Beschaulich fühl‘ ich Leben, das uns hegt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018